Flüchtlinge

Der Strom wechselt nur sein Bett

Stunden später öffnet Mazedonien die Grenze.

Flüchtlinge an der Grenze von Griechenland zu Mazedonien lassen sich am Samstag, 22. August 2015, auch vom Stacheldraht nicht aufhalten.

Stunden später öffnet Mazedonien die Grenze.

Mazedonien öffnete am Samstag seine Grenze wegen des grossen Flüchtlingsstroms. Ungarn will auf die Schnelle einen Grenzzaun bauen, damit die Flüchtlinge nicht ins Land kommen. Der Kommentar.

Ist Ungarns Grenzzaun Ende dieser Woche wirklich fertig, werden die Flüchtlinge, die heute schon in Serbien, Griechenland oder in der Türkei auf eine Chance zur Weiterreise nach Westen lauern, deshalb nicht nach Hause zurückkehren. Das können sie nicht.

Einfach bleiben, wo sie sind, können sie aber auch nicht. Keines ihrer gegenwärtigen Aufenthaltsländer ist in der Lage oder gar bereit, eine so grosse Zahl von Menschen aufzunehmen – Menschen zumal, die das gar nicht wollen. Selbst Ungarn ist und war immer nur ein Transitland. Die hohe Zahl an Asylbewerbern, die Budapest klagend vorbringt, sind Augenwischerei. Bis zum Bescheid sind fast alle, die zum Stellen eines Antrags genötigt wurden, längst nach Westen weitergereist. Den Zaun baut Ungarn nicht aus pragmatischen, sondern aus ideologischen Gründen.

Ist Ungarn dicht, wechselt der Flüchtlingsstrom nur sein Bett. Von Griechenland gelangt man leicht nach Albanien. Die Grenze ist zu beiden Seiten von einer schmuggelerfahrenen Bevölkerung besiedelt, die das Geschäft freuen wird. Sollten im weiteren Verlauf Montenegro oder Kroatien Zäune bauen, erlebt nur der nächtliche Schnellbootverkehr über die Adria seine Wiedergeburt. Schon in den 1990er-Jahren waren die 71 Kilometer zwischen Albanien und Italien eine Hauptroute. Ein anderer Ausweg führt von Serbien über Rumänien nach Ungarn. An der 443 Kilometer langen Grenze zum EU-Nachbarn Rumänien wird auch ein Viktor Orbán keinen Zaun aufstellen können. Sicher ist nur eines: Die Flucht wird teurer und gefährlicher.

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