Kein Wunder, steht da Altgriechisch – Neugriechisch könnte man ja noch brauchen, um den armen Griechen zu zeigen, was Kapitalismus heisst – seit Jahren auf der Liste gefährdeter Sprachen. Beno Meier, mein Altgriechisch-Lehrer an der Kanti Olten, versuchte besorgte Eltern erst gar nicht zu beschwichtigen: «Wer Altgriechisch lernen will, braucht Musse und lange Weile. Altgriechisch ist nicht nützlich.»

Immerhin: Wenigstens einmal wurde Meier eines Besseren belehrt. Seine Tochter arbeitet als Kader bei «Hörmann Tore, Türen, Zargen und Antriebe». Meier leicht irritiert: «Sie bekam die Stelle. Ausdrücklich auch deshalb, weil sie Altgriechisch gelernt hatte. Das sei ein Zeichen von Beharrlichkeit.»

Wenn  Altgriechisch Tore öffnet, müssen sich Eveline Widmer-Schlumpf und Didier Burkhalter in den Verrichtungen mit Jeffrey Cellars, dem neuen, obersten Karrierediplomaten der USA in Bern, warm anziehen. Auf die Frage, was in seinem Rucksack das Wichtigste gewesen sei, um ein guter Unterhändler zu werden, sagte er beim Kaffee mit TeleBärn: «Ich habe the Classics studiert: Latein und Altgriechisch. Da lernt man am besten, sich in andere hineinzudenken.»

Apropos Verrichtungsboxen: Die totale Verwertbarkeit sexueller Leistung war schon bei den alten Griechen ein Thema, wie mein alter Lehrer weiss: «Als Uranos mit einer Sichel von seinem Sohn entmannt wurde, warf dieser die Männlichkeit seines Vaters ins Meer.  Aus dem allerletzten Samen des Verstümmelten entstand die populäre Liebesgöttin Aphrodite.»