De Schepper

Minder, Müller & Freysinger

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Thomas Minder hat gewonnen. Obwohl er vielen nicht gefällt.

2006 führte ich als Chefredaktor des «Blick» eine neue Währung ein, den Ospel. Den Umtauschkurs für einen Ospel legten wir auf 24 Millionen Schweizer Franken fest. Das war der Jahreslohn des damaligen UBS-Chefs. Akribisch rechneten wir Löhne der Schweizerinnen und Schweizer in Ospel um. Da meldet sich ein Mundwasserproduzent namens Thomas Minder: «Ich will eine Anti-Abzocker-Initiative machen. Machen Sie mit?» Ich beisse an.

Wir treffen uns auf der Redaktion. Kaum sitzt der Mann ab, redet er wie ein Rheinfall auf mich ein und stellt mir einen ellenlangen Initiativtext mit vielen komplizierten Detailbestimmungen vor. Nach einer halben Stunde fragt er: «So, sind Sie dabei?» Ohne auf die Antwort zu warten, erklärt er die nächsten Schritte: «Ich stelle mir vor, dass Sie den Initiativtext ein paar Mal in der Zeitung abdrucken und die Initiativbögen beilegen. Ich als Unternehmer liefere den Inhalt und Sie sorgen dafür, dass es zum Volk kommt.» Die Presse als Vollzugsorgan seiner Idee.

Jetzt – wo er ein Sieger ist – darf ich es ja schreiben: Der Mann war mir vom ersten Augenblick an fast unerklärlich unsympathisch, obwohl ich absolut von seiner Idee einer Volksinitiative überzeugt war. Mehr noch: Contre coeur spürte ich, dass es so einen braucht, der mit heiligem Eifer allein gegen alle losmarschiert. Trotzdem hatten wir uns nichts mehr zu sagen.

Minder hat sein Ding durchgezogen. Allein gegen alle. Ob es uns passt oder nicht: Ob Minder in Schaffhausen, Freysinger im Wallis oder Müller in Baden. - alle drei haben etwas Unangepasstes. Da stört bei allen etwas, aber da hört man auch etwas. Da liegt etwas quer. Und genau das macht sie stark.

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