Oltner Freunde rätseln: Ist Werner jetzt ein Berner? Ich bekenne freimütig: Die heisseste Nacht in Bern war für mich lange Zeit die Nacht vor der Abwahl Christoph Blochers. Noch heute elektrisiert die Erinnerung an die tuschelnden Politiker im Kornhauskeller, im «Lötschberg» und im «Bellevue». Obwohl nur nach Wortfetzen schnappender Zaungast, hatte ich das Gefühl, in dieser Nacht werde in Bern Geschichte gemacht. Aber Bern blieb Bern – gehörte einer anderen Welt, den Bernern eben. Wunderschön für Fremde, aber doch fremd.

Jetzt arbeite ich seit vier Monaten in Bern, lebe als Wochenaufenthalter in Bern. Kenne meine Hauswartin, Metzger Schori und die Wirtin im legendären «Felder». Ich will riechen, was die Berner stört, mit eigenen Augen sehen, wie sich Bern verändert, weil ich als Regionaljournalist kein Zaungast mehr sein kann und kein Tourist sein will.

Nur eines kann ich nicht: Dabei sein, wenn Bern feiert. Die Stadt hat zwar ein Bundeshaus, eine Altstadt und eine Reithalle, aber kein Stadtfest, das alle verbindet. Keine Braderie wie in Biel, keinen Maienzug wie in Aarau, kein Schulfest wie in Olten, nicht mal alle 5 Jahre ein die ganze Stadt betäubendes Fest wie die «Badenfahrt» in Baden. Stapi Tschäppät verkündet der ganzen Welt, wie in Bern der Bär steppt, aber mit dem Bär tanzen darf er nicht. Wieso? Weil der Bär als imperialistische Kriegsbeute nach Bern kam, darf Bern kein Bärenfest feiern. So bodigten rot-grüne Zwinglianer im Parlament das Bärenfest ihres Stapis. Lieber Bär, tanz dich endlich frei.