Der Bankier: «Es ist höchste Zeit dafür. Das Bankgeheimnis als Garant für das grosse Geschäft mit Steuerbetrügern ist kein Geschäftsmodell für die Zukunft mehr. Es wurde je länger je unmoralischer.» Wie bitte? «Wir müssen wieder Bankiers werden und unsere Zeit wieder fürs eigentliche Bankgeschäft verwenden.»

Was heisst das? «In Genf und Lugano verwenden gewisse Banken 90 Prozent ihrer Kraft auf die Verteidigung und Verwedelung der von ihnen angelegten Steuerumgehungs-Milliarden - Compliance heisst das meist beschönigend. Diese Banken werden es schwer haben.»

Und der Berner Bankier holt - zum Erstaunen aller Anwesenden am Tisch - gleich zum nächsten Coup aus: «Auch in der Schweiz darf das Bankgeheimnis nicht länger Steuerbetrüger schützen. Es ist stossend gegenüber jedem Staatsangestellten und gegenüber den meisten, die einen Lohnausweis haben. Unsere Banken müssen wieder Ehrlichkeit ausstrahlen.»

Nein, dieser Berner Privatbankier ist kein verkappter Linker. «Ich habe immer freisinnig gewählt. Aber jetzt verstehe ich diese Partei nicht mehr. Statt die Interessen der Wirtschaft und der seriösen Banken zu vertreten, schiesst sich die FDP heute populistisch gegen Eveline Widmer-Schlumpf ein. Die BDP profiliert sich dadurch immer stärker als neue Partei der Wirtschaft.»

Das wurmt auch den abtretenden freisinnigen Solothurner Finanzdirektor Christian Wanner. «Ich kenne diesen Bankier. Es ist eine Schande, dass Freisinnige heute lieber mit der SVP für deren Bankgeheimnis-Initiative weibeln, statt den Banken den Weg ins saubere Banking ohne Steuerbetrugsmilliarden zu ebnen.»

Und noch jemand denkt und handelt wie Wanner oder der Berner Bankier - die Egerkinger Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi: Die Freisinnige gab an der Gemeindeversammlung die Namen von sechs Einwohnern bekannt, die zum Teil seit Jahren keine Steuern zahlen - obwohl sie es könnten.

Wir leben in einer Welt, in der es normal geworden ist, alles Private und Intime - zum Beispiel auf Facebook - öffentlich zu machen. Umgekehrt haben wir das, was für das Funktionieren des Gemeinwesens im öffentlichen Interesse aller ist, nämlich das Steuerzahlen, zur Privatsache erklärt.

Johanna Bartholdi stellt jetzt wieder Ordnung her: Der Freisinn schützt nicht jene, die das Land prellen, sondern stellt sie an den Pranger. Sie ist eine Jeanne d’Arc des Freisinns.