De Schepper

Guete Tag heisst bonjour

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Ueli Maurer zeigt neuerdings auf Facebook sein Gesicht und macht es auch auf Französisch. Aber nicht alle verstehen seine Worte.

«Guete Tag heisst uf Französisch bonjour und uf Wiederluege heisst au revoir. E heisse Maurer heisst je m’appelle Maurer ond denn esch alles klar.» So oder ähnlich tönt es in einem Song der «Grüüveli Tüüfeli». Mit fetziger Musik macht die Oltner Band Deutschschweizer Kindern Lust auf Französisch.

Vermutlich hat Bundespräsident Ueli Maurer nicht die Chance gehabt, so lustvoll mit dem Französisch vertraut zu werden. Darum lässt er im grossen Buch der Gesichter «Facebook» seinen Kommunikationschef Peter Minder schreiben, was ihm als Ueli auf der Seele liegt. Und Ueli Maurer alias Peter Minder liess es sich nicht nehmen, zu Neujahr auch den Romands via Facebook nur das Beste zu wünschen. Das ging express so schnell, dass er gleich ein neues Wort erfand, «de vous expresser mes meilleurs voeux pour 2013.» Und damit niemand auf den Gedanken komme, dass der im Namen von Uelis Kopf schreibende Peter vielleicht das bisher dafür übliche Wort «exprimer» gemeint haben könnte, wiederholt er es in einem zweiten Facebook-Eintrag präsidial: «L’occasion pour bien expresser mes voeux de bohnheur, succès et santé à vous se presentait ici au Val Müstair selon le tour de ski avec le ramoneur!»

Alles klar? Wunderbar. In Belgien gäbe so was eine Staatskrise. Zu Weihnachten hat dort der Wächterrat der niederländischen Sprache dem belgischen Premier Elio Di Rupo offiziell mitgeteilt, dass seine Versuche, sich in Ansprachen den Flamen auf Niederländisch mitzuteilen, trotz Sprachkurs weiterhin ungenügend seien. In den Zeitungen diskutierte man ausführlich den Umstand, dass Di Rupo, der italienischstämmige Sohn eines Metallarbeiters, in der Schule nie die Gelegenheit hatte, die zweite Landessprache richtig zu lernen. Stattdessen könne er besser Englisch.

So eine Sprachen-Diskussion ist in der viersprachigen Schweiz unmöglich. Leider. Leider regt es niemanden mehr auf, dass heute Deutschschweizer Kinder nur noch Englisch und kaum noch Französisch können.

Zum Glück ist Maurers Express-Französisch kein Fall für eine Staatskrise, aber ich finde es trotzdem schade, dass man nur noch darüber lacht, wenn der Bundespräsident auf Facebook sein Gesicht zeigt, aber sich nicht mal mehr die Mühe macht, für eine anständige Übersetzung seiner Kopfarbeit zu sorgen. Bonne Année.

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