De Schepper

FAM: ausser- gewöhnlich

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Frank A. Meyer - ebenso bekannt unter seinem Kürzel FAM - wurde am Montag 70 Jahre alt. Seit gut 30 Jahren schreibt er im «SonntagsBlick» Woche für Woche eine Kolumne. Mehr als eine Kolumne. Er ist die publizistische Duftnote des Hauses Ringier. Frank A. Meyer ist aussergewöhnlich und hin und wieder ausser sich.

FAM ist ausergewöhnlich. Aussergewöhnlich, wenn es um Europa geht. Unermüdlich wirbt er um Verständnis für die Europäische Union als das grosse Friedensprojekt dieses Kontinents. Ganz Europäer lebt der Bieler heute in Berlin und debattiert dort ebenso leidenschaftlich wie hier in der Schweiz.

Aussergewöhnlich ist FAM auch, wenn er Bankern die Leviten liest. Immer und immer wieder. Bis zu den Lohnexzessen suchte er noch die guten Banker. Wollte vermitteln zwischen Paradeplatz und Bundeshaus. Vergeblich. Jetzt präsentiert FAM den Banken die Rechnung des Bürgers. FAM klärt auf, wer die Zeche zahlt, und wiederholt unerschrocken, was schon wieder vergessen geht: Ohne Steuergelder des Bürgerstaates gäbe es heute keine UBS mehr. Schreibt FAM über die entfesselten Banken, schreibt er aus der Sicht von unten, aus der Sicht des mitunter ohnmächtigen Bürgers. Das ist Aufklärung - für die Gleichheit aller Menschen, ob Banker oder Bürger. Darum wünsch ich mir, dass er noch weit über 70 schreiben wird. Lieber ein «SonntagsBlick» mit einem aussergewöhnlichen Bürgerjournalisten namens Frank A. Meyer, als eine «SonntagsZeitung» mit einem aussergewöhnlich unbelehrbaren Banker namens Konrad Hummler, den sie stolz als «ihren» Kolumnisten feiert. Ein Mann wohlverstanden, dessen Bank sich vor einem New Yorker Gericht für schuldig erklärt hat, amerikanischen Superreichen beim Steuerbetrug geholfen zu haben.

FAM ist hin und wieder ausser sich. Ausser sich, wenn es um den Islam geht. Weit jenseits der Schmerzgrenze intellektueller Redlichkeit setzt er Islam und Islamismus gleich. Natürlich sagt er nicht, nur ein toter Muslim sei ein guter Muslim. Aber gut kommen nur Muslime weg, die mit ihrer eigenen Religion auf Kriegsfuss stehen.  Und er stachelt mit seinen antiislamischen Pfeilen - mag es noch so laizistisch-aufklärerisch gemeint sein - genau die an, die er als Citoyen so verurteilt: Die Hetzer hüben und drüben. Schreibt er über den Islam, schreibt er aus der Sicht von oben, des vermeintlich kulturell höheren, aufgeklärten Wesens und verrrät so das Ideal der Aufklärung - der Gleichheit aller Menschen. Das kann ich auch zum siebzigsten nicht weglassen. Trotzdem wünsche ich mir mehr aussergewöhnliche Journalisten wie Frank A. Meyer, die manchmal aufregen und noch mehr anregen.

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