De Schepper

Eine Lanze für Berset

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Bersets Rentenreform nimmt einen Wunsch der arbeitenden Bevölkerung auf: flexibel in Rente gehen zu können. Das soll nicht nur der Lehrerin mit ihrem guten Lohn, sondern auch der Tankstellen-Verkäuferin künftig möglich sein.

Lucia Graf ist 62 und seit über 40 Jahren zu 100 Prozent Primarschul-Lehrerin in Burgdorf. Nicht immer ist der Lehrberuf ein Zuckerschlecken. Trotzdem sagt sie auf «TeleBärn» zu einer Erhöhung des Rentenalters für Frauen nicht einfach nein: «Trotz ein paar Nackenschlägen habe ich immer noch nicht genug. Wenn es gesundheitlich geht, möchte ich gern länger arbeiten.»

Bundesrat Alain Bersets Rentenreform nimmt auf, was heute der grösste Wunsch arbeitstätiger Menschen ist: Nicht mit dem Fallbeil des 64. oder 65. Geburtstages pensioniert zu werden, sondern flexibel und individuell in Rente zu gehen. Laut Bersets Plan soll das zwischen 62 und 70 Jahren möglich sein.

Dabei räumt SP-Mann Berset mit einem alten Geschlechter-Zopf auf und legt das Referenzalter für die volle Rente für Frauen und Männer gleichberechtigt auf 65 Jahren fest. Damit wird das AHV-Alter für Frauen von 64 auf 65 erhöht. Prompt protestierten linke Frauen wie SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr: Gleiches Rentenalter für Mann und Frau gehe nur, wenn Männer und Frauen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten. Ein Sturm im Wasserglas. Denn in der Verfassung ist die Lohngleichheit längst drin.

Das Problem ist die Praxis: Zum Beispiel im Detailhandel. Dort erhält – wie wir dank dem Streik in Baden wissen – eine über 50-jährige Mitarbeiterin nach 13 Jahren Berufserfahrung bei einer 80-Prozent-Anstellung einen Bruttolohn von 3080 Franken. Für diese Verkäuferin war es bisher finanziell unmöglich, früher in Rente zu gehen. Hier setzt Berset an, indem er die Hürde für einen Rentenanspruch in der zweiten Säule – den sogenannten Koordinationsabzug – senkt und damit Wenigverdienenden eine höhere Rente garantiert. Alain Bersets Reform ist kein Sturm im Wasserglas.

Sie hilft nicht nur denen, die – wie Lehrerin Graf – für einen rechten Lohn länger arbeiten wollen, sondern auch der Tankstellen-Verkäuferin, die sich für einen schlechten Lohn täglich flexibel zwischen 6 und 22 Uhr zwischen den Regalen bücken und strecken muss, etwas früher zu gehen. Das ist auf alle Fälle besser als heute.

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