De Schepper

Der Poet und seine Bundespräsidentin

Didier Burkhalter in New York

Didier Burkhalter in New York

Manchmal sind wir einfach ungerecht. Wir Journalisten. Da haben wir einen Westschweizer Bundesrat, Didier Burkhalter, der uns seit Jahren fremd ist, zu dem wir nur schwer einen Draht finden.

Und dann «müssen» wir 2014 feststellen: Wir haben einen Bundespräsidenten, der entgegen unseren vorgefertigten Erwartungen auf dem politischen Parkett dieser Welt «bella figura» macht. Für den wir uns nicht schämen müssen, wenn er für die OSZE im Ukraine-Konflikt vermittelt. Für den wir uns nicht schämen müssen, wenn er in New York Barack Obama trifft.

Didier Burkhalter ist ein Mann, der eine ganz eigene Note in sein Amt bringt. Ein Mann, der seine Frau liebt und sie nicht versteckt. Sondern zu ihr steht. Sie mitnimmt auf Reisen, weil er gern mit ihr zusammen ist und sie nicht auf dem Altar des Politbetriebes opfern will. Ein Mann, der sich nicht von seiner Frau entfremden will, weil er jetzt als Bundespräsident noch weniger zu Hause sein kann als sonst. Für die «Weltwoche» ist diese «öffentliche Liebesgeschichte» ein «böses Spiel» – «Frau Bundespräsidentin nervt». Doppelt falsch. Diese Liebe ist ein Wunder in Zeiten böser Ränkespiele.

Und dann – Gott sei Dank – gibt es noch französischsprachige Zeitungen im Land wie «24 heures». Dort lese ich am Samstag eine wunderschöne Geschichte über Didier Burkhalter, den Poeten, der politisch über den Himmel redet. Zum Beispiel erklärt er uns das Verhältnis zur Welt so: «Auch wenn die Schweiz sich unterscheidet, sie lebt nicht abseits der Welt. Sie teilt mit der Welt den Himmel, grau wie blau. Und wenn wir den Kindern in den Slums von Bogotá und Bangkok oder einer Flüchtlingsfamilie im Libanon von der Schweiz erzählen, dann leuchtet in ihren Augen ein Reflex auf wundervolle Worte wie Friede, Demokratie und Hoffnung. Es sind Sterne im grauen Himmel.»

«Der Himmel ist oft schwer. Es ist an uns, diese Sterne zum Leuchten zu bringen.» Denn – so der Poet im Bundesrat weiter: «Die Sonne ist immer da, hinter den Wolken, wenn wir uns die Mühe geben, sie nur zu suchen.» Schöner kann man das Ziel der Schweizer Aussenpolitik nicht beschreiben. Als Politiker mag uns Burkhalter fremd sein, als Mensch kommt er uns hier ganz nah.

* Werner de Schepper ist Kolumnist der «Nordwestschweiz» und Moderator von Tele M1.

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