FDP Bankgeheimnis

Das hat Wanner nicht verdient

De Schepper

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Christian Wanner ist empört: «So geht man nicht mit Parteikollegen um», sagt der freisinnige Solothurner Regierungsrat und Präsident der Finanzdirektorenkonferenz. In Harnisch gebracht haben Wanner Äusserungen von FDP-Präsident Philipp Müller. Der Parteichef unterstellte Wanner und den Kantonensie würden sich nicht für Werte interessieren, sondern nur fürs Geld.

Der Solothurner Regierungsrat Christian Wanner ist ein Mann, der die Geschichte des Freisinns kennt und lebt wie kein anderer. Ein Meisterlandwirt aus der Bucheggberger Scholle, der als Präsident der Finanzdirektorenkonferenz bei den komplexesten Erschütterungen des Schweizer Finanz- und Bankensystems hautnah dabei war und ist. Sei es bei der UBS-Rettung oder jetzt bei all den Fragen um Bankgeheimnis und Schwarzgeld.

Als freisinniger Bauer im Kulturkampfkanton Solothurn ist er nebst Pascal Couchepin und Franz Steinegger einer der letzten Vertreter eines Freisinns, der den Staat, den er mitgestaltet, auch gern hat. Der sich aufrichtig freut, wenn Unternehmer zusammen mit dem Staat eine Lösung finden. Der nicht aus Opportunismus, sondern aus Überzeugung Politik als Lösungssuche betreibt.

Bis gestern gab es niemanden in der Schweizer Politik, der diesem Christian Wanner, dem alt FDP-Gemeinde-Statthalter, alt FDP-Gemeindepräsidenten, alt FDP-Kantonsrat, alt FDP-Nationalrat, alt FDP-Vizepräsidenten und baldigen alt FDP-Regierungsrat, die freisinnigen Grundwerte absprechen würde.

Als Journalist kenne ich Christian Wanner jetzt seit gut 20 Jahren. Er war mir immer ein Kompass, wenn ich eine verlässliche liberale Stimme suchte. Am Montagmorgen hat er mich gesucht. Er tönte niedergeschlagen und empört zugleich, als er sagte: «Werner, heute fühlte ich mich beim Zeitunglesen wie vor den Kopf geschlagen. Wie wenn mir jemand alles, wofür ich ein ganzes Leben lang gekämpft habe, einfach abspricht. Muss ich mir das gefallen lassen?»

Christian Wanner redet von FDP-Präsident Philipp Müller. Dieser redet von FDP-Mitglied Wanner in einem Interview mit der «Nordwestschweiz», wie Lenin über Trotzki, wenn er sagt: «Er ist nicht auf unserer Linie.» Müller spricht Wanner in Sachen Bankgeheimnis schlicht die freisinnige Sicht ab: «Er spricht aus Sicht der Kantone» – und die wollen laut Müller nur «möglichst viel Geld abschöpfen». Daraus folgert Müller zwar nicht das Ende der Kantone, aber – und das ist der Punkt, der Christian Wanner so beelendet – Parteichef Müller spricht dem freisinnigen Regierungsrat schlicht ab, überhaupt Werte und Grundsätze zu haben: «Werte und Grundsätze interessieren sie nicht.»

Diese Feindseligkeit gegenüber Wanners Meinung ist nicht freisinnig-plural, sondern engsinnig-banal und letztlich für die Partei fatal – sie zementiert nochmals ihre Bankennähe.

Lieber Philipp Müller, Du hast mit Deinen Worten Christian Wanner tief verletzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du das gewollt hast. Entschuldige Dich wie ein Mann und ohne Tamtam. Nicht nur Christian Wanner, sondern auch Dir und dem Freisinn zuliebe.

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