De Schepper

Alex Capus und Beppe Grillo

Alex Capus. (Archiv)

Alex Capus. (Archiv)

Mein Freund Alex Capus ist ein engagierter Schriftsteller. Keiner im Elfenbeinturm, sondern einer, dem es wichtig ist, was draussen passiert.

Darum schreibt er nicht nur Geschichten wie «Der König von Olten», die dort verankert sind, wo er mit seiner sechsköpfigen Familie lebt, sondern bringt sich auch selber als Bürger dieser Stadt ein.

Als die SP vor fünf Jahren in Olten die rote Mehrheit im Stadtrat verlor, wollte er nicht einfach die Faust im Sack machen und am Stammtisch alles besser wissen. Er schritt zur Tat, trat in die SP ein und wurde kurz darauf Präsident der Stadtpartei. Die Parteiversammlungen fanden unter ihm nicht mehr im politischen Elfenbeinturm des Stadthauses statt, sondern mitten in der Altstadt im Restaurant Rathskeller. Und auch dort nicht immer oben, versteckt in einem Säli, sondern oft auch mitten in der Beiz unten. Er holte interessante linke Köpfe nach Olten, wie Hotelier Peter Bodenmann, SP-Präsident Christian Levrat oder Nationalrätin Jacqueline Fehr. Statt 20 Leute kamen plötzlich 50 bis 60 Leute an die Versammlungen. Capus machte rote Politik wieder spannend.

Und auch nach seiner Zeit als SP-Präsident schloss sich Capus nicht einfach wieder in seine Schreibstube ein: Er wurde vor gut fünf Jahren Kolumnist des Gratisblattes «Stadtanzeiger». Jede Woche unterhielt er das Städtchen, indem er ihm seinen Spiegel vorhielt. Über 250-mal hielt er schwarz auf weiss fest, was ihn in dieser Stadt bewegt. Mal schrieb er einfühlsame Geschichten von Oltner Fremdenlegionären, dann lästerte er über das baupolitische Hickhack rund um das inzwischen in der ganzen Schweiz bekannte «goldene Dacherl» bei der Eisenbahnbrücke hoch über der Aare.

Zuletzt schrieb er sieben Mal über einen Zaun, der Menschen davon abhält, auf dem grünen Rasen der Schützenmatte zu picknicken und zu spielen. Sieben Wochen lang sagten ihm alle im Städtchen, er habe recht, dieser Zaun müsse weg – aber es passierte nichts. Capus wurde zum wirkungslosen Stadtnarren. Sogar die, die etwas zu sagen haben im Städtli und die er mit seiner Zaungeschichte so richtig piesackte und vorführte, grüssten ihn weiterhin freundlich, sagten ihm sogar, wie lustig sie seine Kolumnen fänden – aber es passierte nichts. Heute Morgen traf ich ihn im Zug zum Flughafen. «Und, was machst du jetzt mit dem Zaun?» – «Ich mache Schluss. Ich will nicht zum Beppe Grillo von Olten werden.»

Der Komiker Beppe Grillo will die italienische Politik demontieren und macht damit Politik für sich. Capus will einen nutzlosen Zaun demontieren und mit solchen Geschichten die Politik zum Leben bringen. Das ist ein grosser Unterschied. Für die Politik in Olten ist es schade, dass Capus aufhört, weil der Zaun immer noch steht. Als sein langjähriger Freund finde ich es gut, dass er aufhört, sonst bringt ihn die freundliche Gleichgültigkeit im Städtchen noch um den Verstand. Am besten für die Stadt Olten aber wäre es, wenn Alex zusammen mit Bagger-Küde einen Trax nimmt und mit Kollegen den Zaun abreisst. Ich wär dabei.

Werner De Schepper ist Kolumnist der «Nordwestschweiz» und Moderator von Tele M1.

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