Aisha Mohammad lebt seit 21 Jahren in der Schweiz. Ihr Name tönt so schweizerisch wie Behrami, Mehmedi oder Shaqiri. Ihr jüngster Sohn Zubair ist laut dem Gemeindepräsidenten von Erlinsbach AG «ein lernbegieriger, junger Mensch». Sie hat zwei gescheite Töchter, welche in Aarau die Bezirksschule besuchen. Die fünffache Mutter ist heute 47 Jahre alt, geht Teilzeit putzen und bezieht Sozialhilfe.

Aisha will Schweizerin werden: «Ich fühle mich hier zu Hause. Mit Pakistan habe ich nichts mehr am Hut.» Aber 2007 scheitert sie am Deutschtest. Aisha ist zäh, macht weiter. Sie besteht im zweiten Anlauf den Deutsch- und Staatskundetest. Trotzdem verweigern ihr die Erlinsbacherinnen und Erlinsbacher 2009 und 2012 an der Gemeindeversammlung zwei weitere Male die Schweizerweihe.

Aisha gibt immer noch nicht auf, nimmt sich – wie viele Schweizer auch, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen – einen Anwalt. Der Regierungsrat des Kantons Aargau gibt Aisha recht. Es gebe keine Gründe für die Verweigerung der Einbürgerung, keine Indizien, die auf eine «ungenügende Vertrautheit mit den schweizerischen Verhältnissen» hinweisen. Der Gemeinderat muss auf Befehl des Kantons Aisha zur Einbürgerung empfehlen. Doch Aishas Gesuch wurde letzten Freitag mit 124 zu 22 Stimmen zum vierten Mal an der Gemeindeversammlung abgewiesen.

Was hat Aisha verbockt? An der Gemeindeversammlung hängt man die Mutter an drei Dingen auf:

Erstes unschweizerisches Verhalten: Die Mutter wendet sich – nach einem bitterbösen Bericht über sie in der Fasnachtszeitung – an die Polizei, verzichtet zwar auf eine Klage, aber geht fortan nicht mehr an die Fasnacht. Aisha verteidigt sich: «Früher ging ich immer an die Fasnacht, ich habe mich sogar verkleidet.»

Zweites unschweizerisches Verhalten: Ihre beiden Mädchen haben am Maienzug in Aarau gefehlt. Aisha bittet um Milde: «Wir fehlten nur einmal am Maienzug, weil mein Sohn heiratete.»

Drittes unschweizerisches Verhalten: Sie will unbedingt Schweizerin werden. Aisha: «Die Schweiz ist meine Heimat. Ich bin eine Patriotin.» Dazu der Gemeindepräsident: «Den Bürgern gefällt nicht, dass sie es trotz mehrfacher Ablehnung immer wieder versucht.» Der Gemeindepräsident versteht die Ablehnung und begründet sie im «Blick» so: «Sie grüsst auf der Strasse nicht. Die Menschen empfinden sie als fordernd.»

Wir lernen:

1. Wer Schweizer werden will, muss es lustig finden, wenn man an der Fasnacht über ihn herzieht. Fasnachtsmuffel sind keine echten Schweizer.

2. Wer Schweizer werden will, muss den Maienzug wichtiger finden als die Hochzeit des Sohnes. Für echte Schweizer ist Folklore wichtiger als die eigene Familie.

3. Wer Schweizer werden will, darf nicht so tun, als wolle er unbedingt Schweizer werden. Das wirkt schnell «fordernd». Umgekehrt darf man natürlich auch nicht so tun, als ob es einem egal wäre.

Am besten ist es, wenn man Schweizersein als ein «Geschenk des Himmels» betrachtet und man denen, die über dieses Geschenk entscheiden, die Ehre zukommen lässt, die ihnen gebührt. Dazu gehört, dass man den Spenderinnen und Spendern des Bürgerrechts auf der Strasse ehrfürchtig «Grüezi» sagt.

Echte Schweizer grüssen auf der Strasse immer. Oder haben Sie schon mal was anderes gehört?