Die SP feiert ihren 125. Geburtstag. Sie ist in der Schweiz angekommen. Sie verteilt Kuchen zum Geburtstag und die beiden SP-Protagonisten im Bundesrat spielen zusammen vierhändig Klavier. Da ist kein Platz für Misstöne. Selbst die bürgerliche «NZZ» titelt zum Geburtstag bewundernd: «Den roten Faden nie verloren» und hält gleichzeitig beruhigt fest: «Es wurde ruhiger in der SP.»

Unruhe war einmal. Selbst der ehemalige Juso-Querdenker Cédric Wermuth ist als Nationalrat längst in der Macht und in der Partei angekommen und verbreitet heute Minne. Locker wischt er die Kritik des ehemaligen Preisüberwachers Rudolf Strahm – «Die SP ist zu schmal aufgestellt» – in der «Nordwestschweiz» weg und sagt: «Die SP ist ideal aufgestellt.»

«Die SP von heute genügt sich selbst. So, wie sie ist, ist es gut. Ist es Nonchalance oder intellektuelle Faulheit? Was übrig bleibt, ist eine Machtpartei ohne viel Macht.» – Keine Angst. Hier stört niemand die Party der Partei. Dieser Text stand am Samstag auf Seite 1 in der progressiven belgischen Zeitung «De Morgen». Die Rede ist von der SP in Flandern.

Nur einen Tag nach der SP-Feier mit Friede, Freude und Eierkuchen lese ich in der «NZZ am Sonntag» über einen Journalisten des «Blicks», der per sofort freigestellt wurde,  er sei «SP-nah». Ist das fast schon selbsterklärend für den Job-Verlust? Ist das ein Problem? Wohlverstanden, wir reden von «SP-nah» und nicht von «SP-Mitglied».

Übrigens: Der «Tages-Anzeiger» schreibt heute über denselben Journalisten, er sei «linksliberal». Ist es das, was diesen Journalisten so gefährlich macht: «linksliberal» und «SP-nah»?  Zum Glück gelte ich heute nicht mehr als «SP-nah» oder «FDP-nah», sondern neuerdings als «grün»-nah. Der Teufel trägt Prada – und wir Journalisten ein Etikett.