Bundesratswahl 2015, Film ab: Die Wandelhalle wird in Radio- und TV-Studios umfunktioniert, Sprengstoffhunde durchsuchen das Gebäude und die Protokollchefin
kümmert sich rührend um das Wohl ihrer Gäste.

Diese und weitere Szenen hält die Kamera der Bundeskanzlei fest. Der «Service public» bietet einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Polit-Anlasses des
Jahres.

Aufgeschaltet ist das knapp zwölfminütige Filmchen auf dem Youtube-Kanal des Bundesrates. Es ist professionell gemacht. Eine warme Frauenstimme kommentiert im Off, einzelne Szenen sind untermalt von stimmungsvoller Musik. Die Behörden schlüpfen in die Rolle des kreativen Filmregisseurs. Kommt das gut?

Gewiss: Es ist für den Bürger beruhigend zu wissen, dass «der Informatik-VIP-Supporter dem neuen Bundesrat Guy Parmelin eine sichere Computerumgebung und ein abhörsicheres Handy organisiert». Und ja: Der Film informiert neutral.

Es wird verheimlicht, dass das Parlament soeben mit 138 Stimmen eine lahme Ente in den Bundesrat gewählt hat. Doch der Film trieft von Hochglanz und PR. Alles klappt wie am Schnürchen. Bundeskanzlei und Parlamentsdienste sind den Aufgaben jederzeit und vollauf gewachsen, die der Grossanlass mit bis zu 1800 Personen mit sich bringt. Was fehlt, ist die Selbstironie oder eine belustigende Szene, wie jene, als am Vorabend ein Spürhund SVP-Nationalrat Raymond Clottu in den Hintern gebissen hat.

Den Kritikern dieser Art von «Service public» hält die Bundeskanzlei übrigens entgegen, dass der Film ausschliesslich im Rahmen der bestehenden Ressourcen erstellt worden ist. Ein Nachtragskredit ist nicht nötig.

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