Café Fédéral

Mit Toni und Roli zum letzten Glas Weisswein

Toni Bortoluzzi (SVP, ZH) und Roland Borer (SVP, SO) 2002 im Nationalrat.

Toni Bortoluzzi (SVP, ZH) und Roland Borer (SVP, SO) 2002 im Nationalrat.

Beide sind sie fleischgewordene Erfahrung: Toni Bortoluzzi, 68, und Roland Borer, 64, in den Nationalrat gewählt am 20. Oktober 1991. Doch nun ist bald Schluss.

 Der Ältere der beiden SVP-Politiker verzichtete auf eine neuerliche Kandidatur. Dem Jüngeren entzog die Solothurner Stimmbevölkerung vor acht Tagen das Vertrauen. Ganz fertig mit Bundesbern aber sind Bortoluzzi und Borer noch nicht. Letzte Woche hatten sie einer ihrer letzten Kommissionssitzungen beizuwohnen. Anders als diverse andere Abgewählte oder nicht mehr Angetretene liessen sie sich nicht von Stellvertretern ersetzen.

Haben Sie sich nie überlegt, sich dispensieren zu lassen, Roland Borer und Toni Bortoluzzi? «Sicher nicht», sagt der Solothurner. Die Teilnahme sei «Ehrensache» und überhaupt: In der Armee habe er Disziplin gelernt, auch nach seiner Abwahl wolle er kein Drückeberger sein. Bortoluzzi assistiert schmunzelnd: «Wir zwei sind halt die zuverlässigsten Kommissionsmitglieder. Schreiben Sie das auf!» Noch vier Sitzungstage haben die SVP-Politiker hinter sich zu bringen, dann sind sie nur noch Privatmänner. «Ab dann kostet es, wenn Sie etwas von mir wissen wollen», sagt Borer, der seine parlamentarische Erfahrung als Unternehmensberater in Geld verwandeln will. Anders Bortoluzzi: «Von mir will dann hoffentlich niemand mehr etwas wissen.»

Der Schreinermeister hat am Freitag eine letzte Niederlage einstecken müssen: Komatrinker sollen die Kosten für die Ausnüchterungszelle nun doch nicht selber tragen müssen, wie er es gefordert hatte. Bortoluzzi scheint das am Freitagmittag allerdings wenig auszumachen: «Komm Roli, jetzt gehen wir Weisswein trinken», sagt er mit einem Augenzwinkern in Richtung Borer. «Das haben wir uns nach 24 Jahren verdient.»

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