Die Schlagzeile klang gut: «Abgewählter Mörgeli sichert sich Zutritt zum Bundeshaus», verkündete am Freitag zuerst der regionale TV-Sender Tele M1. Der neu gewählte Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner wolle einen seiner zwei Badges dem abgewählten Zürcher Parteikollegen Christoph Mörgeli geben und ihm so auch in Zukunft Zutritt zur Wandelhalle verschaffen. Schliesslich, so Glarner, werde der «blitzgescheite Stratege» in der SVP weiterhin als Berater gebraucht.

Nach dem Rücktritt von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf zwei Tage zuvor rang die Nachrichtenagentur SDA um Ideen – und nahm die brisante Information dankend auf. Danach überschlugen sich die News-Portale. «Mörgelis Comeback im Bundeshaus», titelte «tagesanzeiger.ch». «Mörgeli darf weiterhin ins Bundeshaus», schrieb die Konkurrenz von «20 Minuten». Und auch der Noch-SVP-Nationalrat spielte mit: «Ich freue mich sehr, das ist eine nette Geste», sagte er dem «Tages-Anzeiger». «Das gibt mir die Gelegenheit, mich hin und wieder mit Parlamentariern zu treffen.»

Offenbar wussten weder die beiden involvierten Politiker noch die Journalisten, was sie stundenlang fabrizierten: viel Lärm um nichts. Denn wie jeder freiwillig oder unfreiwillig aus dem Amt geschiedene Parlamentarier hat selbstverständlich auch Mörgeli lebenslang Zutritt zum Bundeshaus. Anders als die mit Badge ausgestatteten Lobbyisten, die beim Eingang einen Metalldetektor passieren müssen, können sie gar unkontrolliert eintreten. Ein Schelm, wer Glarner unterstellt, er fürchte sich derart vor Mörgeli, dass er diesen nur durchleuchtet im Bundeshaus begrüssen möchte.