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Politiker sind vor den Wahlen besonders zutraulich. (Symbobild)

Politiker sind vor den Wahlen besonders zutraulich. (Symbobild)

Wahljahre sind speziell für uns Bundeshausjournalisten. Selten sind Politiker so freundlich wie in diesen 12 Monaten vor der Wahl.

Ständerätinnen*, die bisher hastig vorbeigezogen sind, bleiben plötzlich stehen und erkundigen sich, wie es denn so läuft in der Branche. Nationalräte*, die unter normalen Umständen grimmig dreinschauen, verteilen auf einmal schmeichelhafte Komplimente, wie tiefgründig doch die Berichterstattung in letzter Zeit ausgefallen sei.

Interessant zu sehen, wie Politiker und deren Berater jede noch so erspriessliche Gelegenheit wahrnehmen, um sich auf einer medialen Bühne zu präsentieren.

Fast schon idealtypisch war die Miss-Schweiz-Wahl vom letzten Wochenende in Bern. Da tummelte sich Krethi und Plethi* im durchsichtigen Zelt auf dem Bundesplatz, nur um in einer lokalen Gratispostille – oder im besseren Fall in der «Schweizer Illustrierten» – inszeniert zu werden. Das Schönste daran: Einige Politikerinnen* mokierten sich im Nachhinein über den Anlass. Aber das ist ein anderes Thema.

Herzig auch das Bewerbungsschreiben, das uns ein SP-Politiker* zukommen liess. Als Experte für Steuerfragen gebe er gerne zur Pauschalbesteuerung Auskunft. (Dumm nur, hat das bisher niemand gemerkt.)

Noch besser: ein umtriebiger Polit-Berater*, der gerne Bücher über Wahlkämpfe verfasst und diese meist ein Jahr vor den Wahlen – ja wann denn sonst? – veröffentlicht.

Er will nicht nur sein Buch in der Zeitung besprochen haben, sondern auch ein Interview zu den kommenden Wahlen zum Besten geben. Am liebsten in der Samstagsausgabe.

*Namen der Redaktion bekannt.

 stefan.schmid@azmedien.ch

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