Flüchtlingskrise

17-Punkte-Plan der EU: Kein grosser Wurf

Die Flüchtlingsströme durch Slowenien – eskortiert von der Polizei

Die Flüchtlingsströme durch Slowenien – eskortiert von der Polizei

Rund 1000 Migranten und Flüchtlinge überquerten am Samstag, 24. Oktober, die Grenze zwischen Kroatien und Slowenien beim slowenischen Dorf Rigonce. Sechs Kilometer Fussmarsch ist es von dort bis zum Registrationszentrum.

Der Winter steht vor der Türe und die EU versucht krampfhaft, eine Einigung in der Flüchtlingskrise zu erlangen.

Die Uhren sind umgestellt – eine Stunde länger durften wir übers Wochenende im warmen Bett verbringen. Auf der Balkanroute ist an wohlige Gemütlichkeit nicht zu denken. Die Bedingungen für die Abertausende Flüchtlinge verschlechtern sich täglich. Die Temperaturen nähern sich dem Gefrierpunkt. Die Dringlichkeit, mit der Väterchen Frost an die Türe klopft, hat nun endlich auch die Europäische Union erkannt. Drastisch sagte es Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Vorfeld des hastig einberufenen Gipfels von Sonntagabend: «Jeder Tag zählt. Sonst sehen wir bald Familien in kalten Flüssen auf dem Balkan elendiglich zugrunde gehen.»

Es gilt also, die unmittelbare humanitäre Tragödie zu verhindern. Dazu einigten sich die beteiligten EU-Länder plus Serbien, Mazedonien und Albanien frei nach Angela Merkel auf die Einrichtung von «Ruhe- und Wartezonen». An verschiedenen Standorten zwischen Griechenland und Deutschland sollen Unterkünfte für rund 100'000 Menschen entstehen. Länder, die dies aus eigener Kraft nicht schaffen, können den für Erdbeben oder ähnliche Unglücke vorgesehenen europäischen Katastrophenschutzmechanismus auslösen. Kroatien hat dies am Montag bereits getan.

Damit zeigt sich in aller Deutlichkeit, was die Flüchtlingskrise nunmehr ist: eine Katastrophe. In erster Linie für die direkt betroffenen Menschen – aber auch für die EU als politische Union. Es ist bezeichnend, dass als bescheidene Quintessenz im Abschlussdokument steht, dass man wieder «miteinander reden» sollte. An grosse Würfe, wie einen festen Verteilschlüssel oder gar die Lösung des Problems vor Ort in Syrien, wagt derzeit niemand auch nur zu denken. Lieber hoffen die Politiker, dass der Winter ihnen etwas Zeit verschafft und die Flüchtlinge von ihrer Reise Richtung Nordeuropa abhält.

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