Tunnel hier, Tunnel da, wir haben einen neuen Tunnel! Über 50 Kilometer nichts als Tunnel. Doch bitte nichts gegen Tunnel, schliesslich ist es das, was unser Land ist. Sagte mir einst ein Schotte: «Oh Switzerland, land of the tunnels.» Das haben Österreicher, Italiener und woher sie alle kommen, die Tunnelbauer, dieses Bild haben sie uns mit dem jüngsten Tunnel für alle Ewigkeit in Fels gehauen. Ein Jahrhundertbau.

Grosse Leistung. Grosse Tat. Grosses Budget. Wurde uns medial eingehend, ausführlich, tiefschürfend und hochtrabend in die Köpfe gehauen, mit viel Bild und Wort aus, über, im, rund um und zum, der die das, dem und den Tunnel, ennet und diesseits davon, mit und ohne Event. Als gäbe es nichts und niemand anderes mehr. Viel anderes Ereignis und Schicksal hatte untendurch zu gehen. Dieser Tunnel hat was zu sagen. Wurde uns gesagt. In einer Häufigkeit, sodass diese unumstrittene Pioniertat zur Banalität zu verkommen droht.

Aus Übermass wird Überdruss. Selbstverständlich kratzt Banalität früher oder später an allen Dingen, weil ein Angebot, ein Dienst, eine Leistung stets einmal Opfer der Selbstverständlichkeit zu werden scheint. In diesem Fall befürchte ich, kündigt sich Banalität ausserordentlich früh am andern Ende des Tunnels an. Weil Tunnelblick. Weil alle mitmachen, weil populär. Weil prominent. Scheint ziemlich in Mode zu sein, diese mediale Tunnelsicht. Lässt sich in Politik, Sport und Kultur ebenso beobachten. Manche Köpfe scheinen ein Abonnement auf Erscheinen durchs Band zu haben. In TV, Radio und auf Papier.

Ein Politiker wird auf diese Art unverhofft zum Bischof für Finanz- und Energiefragen. Zum Beispiel. Betroffene kommen so nebenbei zu viel Gratiswerbung. Manchmal gerechtfertigt. Weil viele Redaktionen – bis auf löbliche Ausnahmen natürlich – zu oft auf dieselbe Draisine setzen. Dass diese Rolle einer Frau zuerkannt wird, diese Chance ist in der Kultur grösser. Dennoch klein. Freiwillig Platz machen, sprich verzichten, würden Auserwählte vermutlich nicht. Nicht, dass ich besagte Menschen im Fokus Letzterer nicht gönnen würde, im Gegenteil, ich finds nett, hie und da auch gut, was sie sagen und manchmal tun. Aber eben, Übermass führt zu Überdruss. Banalität zu Langeweile. Tunnelsicht und Tunnelblick. Dabei hätten so viele andere Tunnels Lichtblicke verdient. Im solothurnischen Kantonsteil, obwohl medial schon reichlich ausgeschlachtet, zum Beispiel der Weissensteintunnel.

Da kämpft ein Patronat mit viel oltnerischer Unterstützung gegen die Schliessung. Im oltnerischen Kantonsteil haben wir den Hauensteintunnel beziehungsweise das Läufelfingerli. Diesbezüglich frage ich: Wo bleibt der Aufschrei? Aus Solothurn! Wo ist das Läufelfingerli-Komitee? Ist schliesslich die einzige Bahnstrecke im Kanton, die touristisch was hergeben würde. Obwohl der grösste Teil jenseits vom Tunnel in Fremdkanton liegt. Wehrt sich drum kaum wer? Ein jämmerliches Argument. Vielleicht sind es schlicht der Tunnelsichten zu viele, damit noch Weitblick genug herrscht.