Es ist ein regnerischer Sonntagnachmittag in einem kleinen Café in der Badener Altstadt. Ich sitze an einem der kleinen Tische, vor mir die Lektüre, die ich für kommende Woche lesen sollte. Doch ich bin abgelenkt: Meine Aufmerksamkeit widmet sich einem Gespräch zweier Frauen mittleren Alters, die schräg gegenüber auf dem Sofa Platz genommen haben. «Er wollte nicht in mein Zuhause ziehen, es sei ihm zu weit weg», meinte die Frau im braunen Strickpullover.

Es fehle ihr, einen Partner zu haben und Erlebnisse zu teilen, entgegnete sie ihrer Freundin auf die Frage, wie es ihr nach dem Beziehungsende ginge. Diesmal wolle sie sich bei der Partnerwahl Zeit lassen. Auch sei sie unsicher, ob sie sich wieder auf einer Dating-Plattform anmelden soll. «Jemanden kennen zu lernen ist etwas sehr Persönliches, wobei viele nonverbale Eigenschaften wie beispielsweise der Duft der anderen Person oder die Körpersprache eine grosse Rolle spielen», entgegnete ihr ihre Freundin mit der Kurzhaarfrisur. Diese Dinge könne man in der virtuellen Welt nicht feststellen.

«Zwei meiner Freundinnen haben sich auf einer Dating-Seite angemeldet. Die eine hat ihr Glück gefunden. Die andere hingegen sucht verzweifelt nach einem passenden Mann und ist dabei völlig überfordert», meinte die Frau im braunen Strickpullover.

Stille. Die beiden Frauen nippen an ihren warmen Getränken. «Wie ist dein Tee?», fragt die Frau mit den kurzen Haaren. «Earl Grey ist mein Lieblingstee», entgegnete ihr ihre Freundin, «und wie ist deine Schoggi?» – «Sehr gut.»