David Goodall (104) hat so viel Lebenserfahrung wie kaum jemand von uns. Schon alleine deshalb lohnt es sich, ihm zuzuhören. Der Mann hat ein Jahrhundert erlebt. Heute hat er endgültig entschieden, dass nun genug ist.

Sein letzter Wunsch war, dass wir, die Öffentlichkeit, ihn auf seinem letzten Wegstück begleiten. Er will, dass die Gesellschaft sich Gedanken über ein würdevolles Sterben macht. Ihm wurde das verwehrt: Er durfte nicht in seiner Heimat sterben, sondern musste die Strapazen eines Sterbetouristen auf sich nehmen.

Die Schweiz ist in Bezug auf die Sterbehilfe eines der liberalsten Länder der Welt. Doch auch wir müssen uns Gedanken machen. Aktuell beschäftigen sich Doktoren und Professoren mit folgenden Fragen: Ist es ethisch vertretbar, wenn alte Menschen ohne tödliche Krankheit bei einem Suizid von Ärzten und Sterbehelfern unterstützt werden? Und wenn ja: Ab welchem Alter? Ab 65? Ab 85? Oder erst ab 104?

Auch David Goodall ist Professor gewesen. Gleichzeitig hat er sich ganz praktisch mit den schwierigen Fragen von Leben und Tod auseinandergesetzt. Seine Antwort lautet: Ab 50 oder 60 solle man die Freiheit haben, aus dem Leben zu scheiden.

Man kann die Fragen auch anders beantworten. Wir sollten ihnen aber nicht aus dem Weg gehen, nur weil sie unangenehm sind.