In Riehen will ein Mann Pfarrer werden, der wegen Pädophilie verurteilt worden ist. Die Medien decken den Fall auf, verhindern die Wahl. Seine Karriere, womöglich seine ganze Existenz wird zerstört. Der Pfarrkandidat war beliebt, soll ein hervorragender Seelsorger gewesen sein, der sich nichts zu Schulden kommen liess. Wut und Fassungslosigkeit herrscht bei vielen Kirchgängern vor; nicht über das Verhalten des Priesters, sondern über die Berichterstattung der Medien.

Und doch ist es richtig, wie die Medien vorgegangen sind. Warum? Weil es hier nicht um die zweite Chance, sondern um die Lügen und Vertuschungen geht. Der Pfarrkandidat hätte nur unter strengen Auflagen sein Amt ausüben und nur unter Aufsicht mit Jugendlichen arbeiten dürfen. Vom Bischof selbst war er dazu verpflichtet worden, gegenüber der Kirchgemeinde am Informationsabend absolut transparent sein. Das ist nicht passiert, im Gegenteil.

Bischof Gmür musste mit ansehen, wie der Pfarrkandidat den Kirchenmitgliedern die Wahrheit vorenthielt. Selber hätte er den Strafbefehl mit den pikanten Details nicht öffentlich machen können, ohne den Persönlichkeitsschutz zu ritzen. Anders verhielt es sich mit den Medien. Sie hatten sämtliche Details in Erfahrung gebracht und taten als vierte Gewalt genau das, wozu sie verpflichtet sind: die Öffentlichkeit zu informieren und im Hinblick auf die Pfarrwahl am 10. Februar die Wahrheit zu schreiben.

Ja, jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Nur dann nicht, wenn er sich völlig bewusst selber um diese bringt.