Persönlich

Die Frage aller Gretchenfragen

Eine Frau schwingt die Fahne des Frauenstreiks vor dem Bundeshaus. (Symbolbild)

Eine Frau schwingt die Fahne des Frauenstreiks vor dem Bundeshaus. (Symbolbild)

Bist du Feministin? Die Frage trifft mich unvorbereitet im Zug. Gestellt wurde sie von einem Kollegen. Ich zögere, sage Nein. Er ist erstaunt. «Das geht doch nicht, jede Frau ist eine Feministin.» Seine Begründung: Ist man für die Gleichstellung von Frau und Mann, muss man ein/e Feminist/in sein. Ich wusste, dass die Frage irgendwann kommt. Glaubte auch, im Moment der Wahrheit eine gute Antwort parat zu haben. Ich habe sie nicht.

Feministin ist ein grosses Wort. Ich bin überzeugt, dass es nach wie vor Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern gibt. Auch zum Nachteil der Männer. Ich möchte als Frau ernstgenommen werden. Ich brauchte manchmal drei Runden, um das zu erreichen. Das nervt mich. Ich glaube, dass sich die Gebärfähigkeit einer Frau negativ auf die Erfolgschancen im Beruf auswirken kann. Und ich möchte das ändern. Ich lache in einer Männerrunde über schlüpfrige Frauenwitze, ich schreibe nicht gendergerecht.

Ich möchte keine Frauenquote, glaube, dass einige Frauen auch zu bequem sind, zu wenig Pfupf haben, wenn es darauf ankommt. Ich war am Frauenstreik, ich würde nie den Namen meines Mannes annehmen wollen.
Das Wort Feministin ist überholt. Es verheisst zu viel, was es heute nicht mehr halten kann, was es heute nicht mehr braucht. Und zu wenig, wovon es heute mehr braucht.

Zara Zatti
zara.zatti@chmedia.ch

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