Vierfachmord

Berichterstattung zu Thomas N.: Der Mensch in Monstergestalt

Thomas N. und das Wohnhaus in Rupperswil (Fotomontage)

Thomas N. und das Wohnhaus in Rupperswil (Fotomontage)

Der Vierfach-Mörder von Rupperswil ist gefasst. In der Berichterstattung fällt etwas auf: Der «Blick» nennt den mutmasslichen Täter Thomas N. fast durchgängig «die Bestie». Und entledigt sich so der Denkarbeit.

Wäre der Mörder Ausländer oder Konvertit, hätte gar eine Roma-Bande die Tat verübt, so würde die Zeitung fleissig Schuldige suchen: Person X hat versagt oder Behörde Y. Massnahme Z wurde nicht richtig umgesetzt. Politiker stünden mit populistischen Forderungen bereit. Diese könnte die Zeitung zitieren. Der «Blick» würde sich mittreiben lassen im Strom von Vermutungen, Meinungen, Hass.

So ist es aber nicht. Die «Bestie» ist Schweizer. Ohne Migrationshintergrund. Sogar Hundeliebhaber. Wohnte bei Mami. Sah obendrein noch gut aus. War Fussball-Juniorentrainer. Ziemlich tricky, Kontingente für Fussball-Juniorentrainer zu fordern. Oder das Bei-der-Mutter-Wohnen unter Strafe zu stellen. Gutaussehende auszuschaffen geht auch nicht. Vielleicht war Thomas N. sogar «Blick»-Abonnent. Nicht einmal psychisch krank war der 33-Jährige. Jedenfalls deutete bisher nichts darauf hin. Von daher ist der Trick mit der Bestie naheliegend: Ein Monster ist ein Monster. Es braucht keine weiteren Erklärungen, keine Lösungen, keine Präventivmassnahmen. Es ist einfach da, das Böse.

Aber so einfach ist es eben auch nicht. Thomas N. war ein Normalo. Ein Durchschnittsmensch, durch und durch. Der Nachbar von nebenan. Er könnte jedermann sein. Thomas N. ruft ins Bewusstsein, zu was der Mensch alles fähig ist.

Ich glaube, das ist es, wovor sich die «Blick»-Journalisten fürchten, wenn sie von der Bestie schreiben.

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