Sven Christ stürmt in den Frühstücksraum. Der Verteidiger des FC Aarau drückt Trainer Martin Rueda ein Fax in die Hand. Es ist ein Artikel der «Aargauer Zeitung» mit dem Titel «Rueda sucht einen Abwehrchef».

Sven Christ ist wütend. Einerseits wusste er nichts von der Suche. Und anderseits: Was braucht der FC Aarau einen Abwehrchef, wenn er einen zweikampfstarken Spieler wie Christ in seinen Reihen hat?

Den Hahnenkampf zwischen Rueda und Christ während des Trainingslagers Ende Januar 2004 an der Khor Fakkan Beach in der Nähe von Dubai werde ich nie vergessen.

Der ruhige, sachliche, aber unerfahrene Trainer Rueda und der ehrgeizige, impulsive, ja aufbrausende Christ? Das passte nicht zusammen! Zwar trafen sich die zwei nach dem Zwischenfall zu einer Aussprache, aber das Problem war nicht gelöst. Die Spannungen blieben.

Das alles ist bereits gut zwölf Jahre her. Im Fussball ist es aber so wie im normalen Leben. Man sieht sich immer zweimal. Mindestens. Und weil das so ist, kreuzen Sven Christ und Martin Rueda zum Rückrunden-Auftakt beim Challenge-League-Spiel zwischen dem FC Winterthur und Wohlen ein zweites Mal die Klingen.

Christ ist Trainer bei den Zürchern, Rueda ist Trainer bei den Aargauern. Schauen wir mal, wer am Sonntag im Duell der ungleichen Typen die Oberhand behalten wird.

So unterschiedlich Rueda und Christ auch sind, eine Parallele gibt es: Beide waren einmal Trainer des FC Aarau. Beide fanden ihr Glück im Brügglifeld nicht. Sie sind gescheitert.

Rueda wurde im August 2004 acht Monate nach seinem Amtsantritt entlassen. Seine Bilanz: 22 Spiele, 19 Punkte. Das entspricht 0,86 Punkten pro Spiel.

Christ war in der Saison 2014/15 FCA-Trainer. Seine Bilanz: 25 Spiele, 19 Punkte. Das entspricht 0,76 Punkten pro Spiel.

Beim FC Aarau hatte Martin Rueda im Vergleich mit Sven Christ also die Nase vorn.

Was aber passiert zwölf Jahre nach Khor Fakkan Beach auf der Winterthurer Schützenwiese? Ein Besuch könnte sich lohnen.