Auch die Vorzeichen haben sich nur leicht geändert: Der Gemeinderat plädiert nun für eine überarbeitete Budget-Version mit einer kleineren Steuererhöhung. Statt von 110 auf 115% soll dieser jetzt lediglich auf 113% steigen. Das ist ganz im Sinne der Fraktion FDP/Anglikon, die schon im ersten Anlauf für die moderatere Erhöhung plädiert hat. Die Fraktion warnt denn auch in einer Medienmitteilung ausdrücklich davor, in der zweiten Runde am Steuerfuss 115% festzuhalten, wie es die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) vorschlägt: «Wird dem Stimmvolk erneut ein Budget mit einem Steuerfuss von 115% präsentiert, macht sich der Einwohnerrat restlos unglaubwürdig und demonstriert eine Geringschätzung der Demokratie.» 

FDP/Anglikon sehen sich mit dem neuen Budgetentwurf des Gemeinderates bestätigt: «Immerhin legt der Gemeinderat jetzt ein neues Budget mit einem Steuerfuss von 113% vor, genauso, wie wir es schon in der ersten Budgetdebatte verlangt haben.» Die Sparbemühungen des Gemeinderates erachtet die Fraktion aber nach wie vor als ungenügend.

Die CVP hingegen folgt der FGPK und wird am Montag laut Parteipräsident Harry Lütolf einstimmig für 115% votieren. Das, erklärt er, sei keineswegs eine Missachtung des Volkswillens. Wenn man die Infrastruktur von Wohlen auf Vordermann bringen und das Dorf wie geplant weiterentwickeln wolle, dann müsste der Steuerfuss für eine begrenzte Zeit erhöht werden. «Die Varianten sind», sagt Lütolf, «den Schuldenberg weiter ansteigen zu lassen oder die Leistungen für die Bürger massiv herunterzufahren. Beides will die CVP nicht.» Man habe sich intensiv damit befasst, auf den tieferen Steuerfuss von 113% einzuschwenken. «Damit würden wir vor dem Bürger natürlich gut dastehen», erklärt Lütolf weiter, «doch wir sollen für Wohlen Verantwortung übernehmen und unseren Nachkommen weder einen riesigen Schuldenberg noch eine marode Infrastruktur überlassen.»

Die SVP hingegen ist nach wie vor der Meinung, Wohlen könne sich nur mit einem möglichst tiefen Steuerfuss entwickeln. Sie plädiert weiterhin für einen gleichbleibenden Satz von 110% und erachtet weiter einen Steuerfuss von 105% als angebracht: «Das Drehen an der Steuer- und Gebührenschraube hat automatisch einen Nachfragerückgang der Wohler Wirtschaft zur Folge. Statt sie mit moderateren staatlichen Belastungen anzukurbeln, wird sie der rot-grün-schwarze Gemeinderat drosseln, so wie schon in den letzten 20 bis 50 Jahren.»

Fazit: SVP für 110%, FDP für 113%, CVP für 115%. Weiter ist davon auszugehen, dass auch der innere Ring (SP, Grüne und allenfalls auch GLP/EVP) der FGPK-Empfehlung auf 115% folgen wird. Wer wird am Montag «gewinnen»? Die Prognose ist schwierig, aber letztlich spielt es keine Rolle. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird am Ende so oder so der Regierungsrat über den Wohler Steuerfuss für 2019 entscheiden. Entweder, wenn das Budget nach einem Nein des Parlaments schon am Dienstag direkt «nach Aarau» geht. Oder dann, wenn auch ein allfälliges 113%-Budget am 24. März vom Volk abgelehnt wird. Was zu erwarten ist.