Man mag das bedauern. Doch darf man vor der Realität die Augen nicht verschliessen. Die Regeln, welche die Politik aufstellt, sollten den Bürgern das Leben vereinfachen.

Das gelingt nicht immer. Im Fall der Stiefkindadoption gibt es aber nur eine Lösung: Egal, ob die Eltern schwul oder lesbisch sind, verheiratet oder ohne Trauschein durchs Leben gehen, braucht das Kind Sicherheit und Stabilität. Adoption ermöglicht das: Falls einem Elternteil etwas zustossen sollte, steht es nicht alleine da.

Die Gegner sehen in der Stiefkindadoption eine «Salamitaktik». Sie sei bloss der erste Schritt, weitere Liberalisierungen würden folgen. Das braucht niemand zu bestreiten. Es ist kein Geheimnis, dass ursprünglich geplant war, allen Erwachsenen, ungeachtet des Zivilstands und der Lebensform, die Adoption fremder Kinder zu erlauben. Heute ist dies Eheleuten vorbehalten.

Das Vorhaben fand bisher keine politische Mehrheit. Mit dem Vorstoss «Ehe für alle» rücken die Grünliberalen das Thema wieder in den Fokus. Das ist gut so. Denn es gibt keinen Grund, gegen eine Adoption zu sein, wenn sie für das Kind die beste Lösung darstellt.

Das Gute daran ist, dass dieser Aspekt in jedem Fall gegeben ist. Bei Adoptionen steht das Kindswohl immer an erster Stelle. Leider setzt sich diese Erkenntnis nur langsam durch. Die Modernisierer sind zur Salamitaktik verdammt.

anna.wanner@azmedien.ch