Schon wieder wechselt ein national bekanntes SP-Mitglied die Partei: Der Zürcher Nationalrat Daniel Frei politisiert ab Montag für die Grünliberalen im Bundeshaus. Erst kürzlich tauschte Chantal Galladé unter lautem Getöse das Parteibuch ein. Die neuen GLP-Mitglieder bezeichnen sich beide als sozialliberal und beklagen den gewerkschaftlichen Einfluss gerade auch in der Europapolitik. «Die SP ist immer linkskonservativer und intoleranter geworden», sagte Frei der «NZZ».

Hat die SP ein Problem? Droht ein Massenexodus? Darauf deutet wenig hin. Das Verhältnis von Frei zur SP ist seit Längerem kompliziert. Das hängt mit seiner Rolle als ehemaliger Kantonalpräsident und dem Streit zwischen den Juso und dem Zürcher SP-Regierungsrat Mario Fehr zusammen. 2017 warf Frei als Kantonalpräsident entnervt den Bettel hin — diese Wunden sind nicht verheilt.

Im Bundeshaus ist der Einfluss des SP-Reformflügels zwar tatsächlich bescheiden. Mit den Ständeräten Pascale Bruderer und Claude Janiak treten zudem im Herbst zwei seiner profiliertesten Aushängeschilder zurück. Dass die Partei solche Köpfe braucht, weiss sie aber nur zu gut. Die SP möchte den gestiegenen Einfluss im Ständerat nicht missen. Und diesen hat die Partei den gemässigteren Politikern zu verdanken. So hat auch die SP Zürich Daniel Jositsch als Ständerat wieder einstimmig nominiert. Der Strafrechtsprofessor ist einer der Mitbegründer der parteiinternen Reformplattform.

Es stimmt aber auch, dass die SP im internationalen Vergleich sehr links positioniert ist. Doch wenn man schaut, wie die Sozialdemokraten in Deutschland gerade einbrechen und in Frankreich ums Überleben kämpfen, hat SP-Präsident Christian Levrat seine Partei richtig positioniert. Zwei Abgänge zur GLP sind nichts im Vergleich zum Bedeutungsverlust von SPD und Parti Socialiste.