Kolumne

Zum ersten Mal ein «Neugugger»

Präsident Patrick Staub begrüsst Mitglieder und Interessierte zum Neuguggerabend der Sumpfer-Stilzli.

Präsident Patrick Staub begrüsst Mitglieder und Interessierte zum Neuguggerabend der Sumpfer-Stilzli.

Dominic Kobelt ist ein erfahrener Fasnächtler, spielt jetzt aber zum ersten Mal in einer Guggenmusik. In seiner Kolumne berichtet er von seiner ersten Saison mit den Sumpfer-Stilzli Kelleramt. Im ersten Beitrag berichtet er vom «Neugugger-Abend» und den feinen Unterschieden zwischen Musikgesellschaft und Guggenmusik.

Viele Fasnächtler konnten das Wochenende kaum erwarten: Der 11.11., Start in die schönste Jahreszeit. Für mich galt dies ganz besonders, denn «meine» Fasnacht wird diese Saison anders: Im zarten Alter von 35 Jahren wage ich eine Saison als aktiver Guggenmusiker. «Du bist ja sowieso immer da, wo wir von der Gugge sind», versuchte man mich schon vor Jahren zu diesem Schritt zu überreden. «Wollt ihr wirklich, dass ich künftig an eurem Ball hinter und nicht mehr vor der Bar stehe?», war jeweils mein bestes Gegenargument.

Aber eigentlich wollte ich mich nicht in einer Guggenmusik engagieren, weil ich mich der Musikgesellschaft Zufikon verpflichtet fühlte, wo ich fast 20 Jahre lang spielte. Da der Verein seit Anfang Jahr ein Arrangement mit Oberwil Lieli eingegangen ist, hat sich die personelle Situation entspannt – und der Probetag hat sich verändert. Schweren Herzens gab ich den Austritt, wusste aber, dass ich mein Instrument nicht in der Ecke verstauben lassen wollte.

7. Juli: Es ist Neugugger-Abend, ein Infoanlass für alle, die in dieser Saison zu den Sumpfer-Stilzli Kelleramt dazustossen wollen. Zwölf junge Frauen und Männer sind interessiert. Ich versuche mich zu erinnern, wie viele Neumitglieder wir in den vergangenen 20 Jahren bei der Musikgesellschaft begrüssen durften – vermutlich etwa gleich viele wie die Gugge an diesem Abend.

Woran kann das liegen? Vielleicht am moderneren Repertoire, denke ich mir, als «Tambi» Marco vor versammelter Runde erklärt: «Wir spielen quer durchs Gemüsebeet. Von Helene Fischer bis zu Offspring, von DJ Bobo bis John Lennon.» Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man noch kein Instrument beherrschen muss. «Du spielst sicher sehr gut», sagt ein Susaphonspieler in der Pause zu mir. «Du kannst ja Noten lesen.» In der Musikgesellschaft war das Voraussetzung, ich hatte ein paar Jahre lang Unterricht, bevor ich mitspielen konnte – hier gibt es Leute, die noch nie einen Ton aus einer Trompete hervorgebracht haben, und nach wenigen Monaten ihre ersten Auftritte bestreiten.

Oder liegt es am Zusammenhalt? Fast alle der 46 Mitglieder sind am Neugugger-Abend erschienen, obwohl es nicht Pflicht ist. Zugegeben, auch in der Musikgesellschaft waren Freundschaften und die gegenseitige Unterstützung einer der Hauptgründe, die mich über all die Jahre im Verein hielt. Bei den Sumpfer-Stilzli ist einfach die Atmosphäre etwas anders. Die Meisten scheinen etwas verrückt zu sein. Ich fühle mich wohl.

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