Um bis zu 22 Prozent erhöhen Grundversicherer in der Nordwestschweiz ihre Standardprämie. Das ist zum einen die Folge der ungebremst steigenden Ausgaben für Ärzte, Spitäler und Medikamente. Wie diese Kostensteigerungen zumindest gedämpft werden könnten, ist seit langem bekannt. Nur fehlen Mut und Wille, solche Massnahmen umzusetzen.

Die exorbitanten Aufschläge resultieren erst, weil sich mehrere Effekte kumulieren. Der wegen des Abwehrkampfs von Billig-Anbietern wie der Groupe Mutuel jahrelang hinausgezögerte Risikoausgleich unter den Kassen wird aufs kommende Jahr endlich verfeinert. Damit soll Billigkassen erschwert werden, auf die Jagd nach guten Risiken, also nach jüngeren und gesünderen Kunden zu gehen. Diese Grundversicherer müssen nun massiv höhere Beiträge an ihre Konkurrenten abliefern, die ältere und kränkere Kunden haben, und ihre Prämien nach oben anpassen.

Die Billigkassen haben sich teilweise massiv verrechnet, zum Beispiel Kassen der Groupe Mutuel. Sie fuhren Verluste ein, fielen deshalb unter den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwert bei den Reserven und schlagen nun noch stärker auf, als sie ohnehin müssten.

Das ist ärgerlich. Denn es war schon lange klar, dass dieser Dumpingwettbewerb volkswirtschaftlich unsinnig ist. Er benachteiligt Kassen, die mit Hausarztmodellen oder Gruppenpraxen Behandlungskosten einzusparen versuchten. Hier muss der Wettbewerb in Zukunft spielen.

Der Prämienzahler muss diese schlechten Botschaften nicht einfach akzeptieren. In der Grundversicherung gibt es nämlich einen Aufnahmezwang. Vergleichen Sie also die Prämien im Internet genau und wechseln Sie den Anbieter. Es lohnt sich!