Das zeitversetzte Fernsehen ist populär. Niemand will es verbieten. Auch die TV-Sender nicht. Das Überspulen der TV-Werbung soll ebenfalls nicht aufgehoben werden. Die Behauptungen von Swisscom, Cablecom & Co, dass das Werbespulen verboten werde und dass die Konsumenten mehr zahlen müssen, ist falsch. Die TV-Sender wollen einzig mit Swisscom, Cablecom & Co. direkt über neue, innovative Werbeformen verhandeln, die von den Zuschauern akzeptiert werden.

Der Nationalrat debattiert bald über das Urheberrechtsgesetz. Ein neuer Passus soll die Position der TV-Sender verbessern. Werbespulen soll weiterhin möglich sein. Neu: Die Sender sollen die Modalitäten mit Swisscom, UPC & Co. selber verhandeln können. Wie dies in anderen Ländern der Fall ist. Jeder, der Werbung im Replay überspult, weiss, dass der TV-Sender Werbeeinnahmen verliert. 2017 gingen so 110 Millionen Franken Werbegelder verloren. Da das Replay weiter zunimmt, ist von einem wachsenden Schaden auszugehen. Die Profiteure sind im Moment Swisscom, UPC & Co, die 2017 von ihren Kunden mit ihren Bundle-Angeboten 246 Millionen Franken alleine für das Replay und das Werbespulen eingenommen haben. Die TV-Sender haben davon nur 9,7 Millionen Franken erhalten.

Für die mit Werbung finanzierten Sender geht die Rechnung nicht mehr auf. Ihre Existenz ist mittelfristig gefährdet. Es braucht Lösungen, die von den Zuschauerinnen und Zuschauern akzeptiert werden. Die TV-Sender sollen deshalb direkt mit Swisscom, UPC & Co über die Werbung im Replay verhandeln können. Die Werbeangebote wandeln sich zurzeit rasch. Innovative Angebote können gemeinsam entwickelt werden. Möglich sind zum Beispiel die Ausstrahlung von ein oder zwei Spots vor einer Replay-Sendung. Möglich sind auch das Schalten von personalisierter Werbung oder der Einsatz von Split-Screen Werbung.

Basis unserer direkten Demokratie sind die Meinungsfreiheit und die Meinungsvielfalt. Sie sind nur gewährleistet, wenn genügend unabhängige Medien existieren, und zwar in allen Gattungen. Fernsehen leistet einen wichtigen Beitrag zur Meinungsvielfalt. Allen voran die SRG und die lokalen TV-Sender. Die kleinen Regionalsender tragen dazu bei, dass lokale Themen öffentlich thematisiert werden. Meinungsmacher wie National- und Ständeräte können über diese Kanäle einen direkten Kontakt zu ihren Wählern herstellen.

Die SRG und die Regionalsender garantieren auf diese Weise den Service public im Rundfunk. Ihre Programme finanzieren sie mit Rundfunkgebühren und Werbeeinnahmen. Dieses System der Mischfinanzierung trägt dazu bei, dass die Sender überhaupt in der Lage sind, kostenintensive Informationsprogramme zu senden. Ausserdem garantiert es, dass die Sender nicht zum trägen Subventionsmoloch verkommen: Sie müssen bis zu einem gewissen Grad die wirtschaftliche Rentabilität berücksichtigen. Werbeeinnahmen schaffen die nötige Unabhängigkeit von den staatlichen Geldquellen.

Der Stimmbürger hat mit seinem Nein zur No-Billag-Initiative dieses System gestützt. Die Rundfunkgebühren werden nicht abgeschafft. Gleichzeitig kam in der öffentlichen Debatte jedoch deutlich zum Ausdruck, dass eine Gebührenerhöhung in den nächsten Jahren chancenlos wäre. Die Service-public-Sender sind deshalb darauf angewiesen, weiterhin Werbeeinnahmen zu generieren. Nur auf diese Weise kann das hochwertige Programmangebot sichergestellt werden. Die Annahme der URG-Revision ist deshalb für die TV-Sender entscheidend.