Kein Politiker im Aargau, wohl kaum einer im ganzen Land, polarisiert wie Andreas Glarner. Die einen verehren, die anderen verachten ihn. Das war schon immer so, aber seit seinem Aufstieg zum Nationalrat und Asylchef der SVP Schweiz hat sich das noch akzentuiert. Einer vom Schlag Andreas Glarners garantiert für fette Schlagzeilen. Ob es dabei Schimpf und Schande oder
Applaus absetzt, ist eigentlich gar nicht so wichtig – Hauptsache Aufmerksamkeit.

Das mag funktionieren, um die Politkarriere auf nationaler Ebene in Schwung zu halten. Von einem Gemeindeammann würde man aber vielleicht manchmal etwas leisere Töne, etwas mehr integrierendes Wirken statt Dauerkonfrontation erwarten.

Natürlich sind zwölf Jahre in diesem Amt ohnehin eine respektable Zeit und natürlich kann auch ein Andreas Glarner sich nicht teilen: Eine eigene Firma und eine Gemeinde führen und auf nationaler Ebene Politik an vorderster Front machen, das geht an die Substanz. Aber es wird nicht die Belastung allein sein, Glarner wird wohl auch gespürt haben, dass man in ihm im eigenen Dorf allmählich eine Hypothek sehen könnte. Nicht nur, weil sich die von ihm verhöhnten Gutmenschen hier zunehmend ausgegrenzt fühlen. Auch die in Oberwil-Lieli umworbenen Millionäre schätzen in der Regel eher die Unauffälligkeit und sehen ihren Wohnort kaum gern ständig in den Negativ-Schlagzeilen.

Man kann gegen Andreas Glarner haben, was man will: Mit seinem Abschied aus der Lokalpolitik nimmt er die Kurve zur richtigen Zeit.

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