Sommer im Malcantone. Die beiden älteren Frauen sitzen am Granittisch in der Osteria. Sie sind laut und fröhlich. Vielleicht sitzen sie auch schon etwas länger unter der Schatten spendenden Platane. Die eine trägt eine dunkle Sonnenbrille und hat die Haare schwarz gefärbt. Sie spricht viel, aber höchst undeutlich. Nach und nach wird klar, warum sie nuschelt: Sie trägt ihr künstliches Gebiss nicht im Mund, sondern in der Handtasche mit sich; es ist ihr verleidet und sie setzt es nur noch ein, wenn es sich lohnt. Zum Beispiel, wenn es Ossobuco gibt. Einfaches Essen gehe problemlos ohne Zähne, sagt die Schwarzhaarige, etwa Kartoffelstock oder Polenta. Und Rotwein sowieso. Sie müsse ja jetzt niemandem mehr gefallen. Die beiden lebenserfahrenen Frauen prosten sich zu.

Sie habe kein künstliches Gebiss, sagt dann die andere Frau, sie habe einfach so einzelne Zähne mit Druckknöpfen. Aber nach einiger Zeit hätten sich die aufgesteckten Zähne immer wieder gelöst. Sie sei nicht einmal sicher, ob sie nicht in der Nacht einmal einen verschluckt habe. Jedenfalls habe sie nach und nach die meisten ihrer künstlichen Zähne verloren. Sie öffnet den Mund und zeigt der Schwarzhaarigen, wo ihr überall Zähne fehlen.

Diese nimmt die Sonnenbrille ab, studiert das reduzierte Gebiss mit den verbliebenen Zähnen aufmerksam und sagt dann: «Weisst du, wir beide sind nicht so blöd wie Luigi. Der hat für 17'000 Franken sein Gebiss renovieren lassen. Zwei Wochen nachdem er seine neuen Zähne hatte, ist er gestorben.

Jetzt lachen die beiden Frauen leise, dann laut. Sie lachen so heftig, dass alle, die sie bis jetzt noch nicht beachtet haben, sich zu den beiden drehen und vielleicht sehen, wie sich die Schwarzhaarige eine Träne aus dem Augenwinkel wischt.