Gebannt starrt die Welt zurzeit auf eine Motte, die Galleria mellonella. Eigentlich nicht mal auf diese Grosse Wachsmotte, nur auf deren Raupe. Sie frisst Plastik! Die Hoffnung ist beinahe religiös: Mampft der Wurm bald den Müll der Menschheit fort? Raup-salabim? Oder ist das wieder nur Medien-Hokuspokus?

Den plötzlichen Weltruhm verdankt die Raupe der gleichen Instanz wie das Viagra – Forscherkönig Zufall. Wie schon das Penicillin. Oder Teflon. Oder die Mikrowelle. Neu ist der Glaube an die Raupe aber auch deshalb nicht, weil vor Jahren schon mal eine Motte Löcher in Plastik frass – in China, wo denn sonst? Die Dörrobstmotte.

Nun schaltet Hoffnung auf ein Weltwunder leider nicht das gemeine Denken aus, ein Kriechgang, ähnlich wie bei einer Raupe. Frass die Raupe, gefangen im Plastiksack, lediglich Löcher rein, um die Freiheit zu erlangen? Oder war sie wirklich scharf drauf? Wenn ja – wie sieht dann ... äh, das Verdaute aus? Schliesslich stellte selbst die hohe Politik mal fest (die Kohlraupe): «Entscheidend ist, was hinten rauskommt.»

Ganz toll bleibt sicher das: Nach 10'000 Jahren Kultur hofft der Mensch, Krone der Schöpfung, dass ein unwürdig blindes Geschöpf nun jenen Dreck wegputzt, den er mit seinem Raupenhirn immer so grossartig in die Schöpfung geschleudert hat.