Ja, ja, der ESC! Wir sind ein kleines Land und analog zum Fussball oder Eishockey (aktuell) gibt es einfach, rein statistisch, weniger talentierte Showacts, Gruppen, Sängerinnen und Sänger als in einem Land mit zehnmal mehr Einwohnern und einer grossen Unterhaltungsindustrie. Auf den Roger-Federer-Effekt im ESC müssen wir möglicherweise noch ein paar Jahrzehnte warten.

Was in der Schweiz aber definitiv anders ist als in vielen anderen europäischen Ländern: die mediale Begleitung. Wer es wagt, in der Schweiz an einer Ausscheidung teilzunehmen, wird von grossen Teilen der Presse schon im Voraus verhöhnt, verrissen und derart kaputt gemacht, dass es eigentlich erstaunlich ist, dass sich überhaupt noch jemand meldet. Bekannte Namen sowieso nicht mehr, denn mit einer Teilnahme kann man nur verlieren. Es macht ja auch nicht unbedingt Spass und mag der Qualität eines Auftritts nicht förderlich sein, wenn man schon tagelang vorher in die Pfanne gehauen wird.

Mit Peter, Sue & Marc habe ich damals trotzdem immer wieder teilgenommen, obwohl wir gerade auch von unserer lieben Berner Presse immer wieder verhöhnt wurden. Es braucht dann schon viel Mut und Überzeugung, nicht das Gefühl zu haben, mit dem letzten Dreck auf der Bühne zu stehen. Es gibt eben für ein kleines Land wie die Schweiz keine grössere Chance, sich einem europäischen Publikum präsentieren zu können.

Es nützt aber alles nichts, weder den regionalen Ausscheidungsmodus noch nationale Zulassungsbedingungen für Komponisten zu ändern, solange zweit- und drittklassige Journis (erstklassige schreiben in der Schweiz über Politik und Wirtschaft, Unterhaltung gilt als minderwertig) das Bedürfnis haben, ihren Frust und ihre Schuhe an den Kandidaten abstreifen zu können.

Meine Empfehlung? Kandidaten melden sich bitte in Malta, Luxemburg oder von mir aus auch in San Marino, um das Land beim ESC zu vertreten. Da werden immer wieder Talente gesucht. Ralph Siegel hat es bewiesen. Es könnte ja durchaus sein, dass ihnen da jemand viel Glück für den Auftritt wünscht und sogar die Daumen drückt.

*Peter Reber hat sechsmal den Schweizer Beitrag für den ESC geschrieben und stand auch viermal selbst auf der Bühne. Darunter waren Hits wie «Djambo, Djambo» (Peter, Sue & Marc), «Cinéma» (Paola), «Swiss Lady» (Pepe Lienhard Band) und «Io senza te» (Peter, Sue & Marc), die am Wettbewerb Spitzenplätze erreichten.