In St. Moritz findet heute das erste Rennen der Ski-WM statt. Und schöner könnte es aus Schweizer Sicht nicht losgehen. Schaut man auf die Resultate des Winters, ist die Chance auf WM-Gold nirgends grösser als im Super-G der Frauen. Drei von vier Rennen in diesem Winter hat Lara Gut gewonnen, und einmal ist sie mit deutlicher Bestzeit ausgefallen. Kurz: Die 25-Jährige ist heute die Topfavoritin.

Der Schweizer Skiverband spricht davon, dass die Athletinnen und Athleten von Swiss Ski in neun von elf Wettkämpfen realistische Chancen auf WM-Medaillen haben. Diese Einschätzung stimmt. Alleine Lara Gut hat mit Ausnahme des Slaloms in jeder Disziplin die Möglichkeit, einen Podestplatz zu erreichen. Die Tessinerin könnte damit zur grossen Figur dieser WM werden. Die starken Prellungen, die sie sich im letzten Super-G vor der WM zuzog, als sie mit vollem Tempo an einem Tor hängen blieb, behindern sie nach eigener Aussage auf der Piste nicht.

Die Vorzeichen stehen also gut, dass die Heim-WM ein Schweizer Skifest werden könnte. Das bringt uns zur Frage, ob das einen positiven Effekt auf die Abstimmung über eine Olympia-Kandidatur im Kanton Graubünden haben könnte, die am nächsten Sonntag stattfinden wird. Neben Graubünden interessiert sich auch eine Kandidatur aus der Westschweiz (mit den Kantonen Wallis, Waadt, Bern und Freiburg) für die Durchführung der Winterspiele 2026.

Ein erfolgreiches Ski-Nationalteam kann helfen, aber nicht entscheiden

Die Frage, ob die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler auf der Ski-Piste die Meinung des Volks beeinflussen, hatten wir schon einmal. Anfang 2013 titelte diese Zeitung: «Erstickt die Ski-Krise das Olympiafeuer?» Damals, kurz vor der Ski-WM 2013 in Schladming, waren die Resultate des Schweizer Teams ernüchternd. An der WM holte dann tatsächlich nur Lara Gut eine Medaille (Silber im Super-G). Das Stimmvolk im Kanton Graubünden sagte wenig später an der Urne Nein zu einer Olympia-Kandidatur.

Waren die Skifahrer schuld? Nein, das wäre zu einfach. Zwar kann ein erfolgreiches Ski-Team
in der Tat einige dazu verleiten, Ja zu stimmen. Aber die Gesamtmeinung des Volks kann das nicht beeinflussen. Entscheidend sind andere Faktoren. Vor allem die Frage: Braucht es Olympische Winterspiele in der Schweiz?

Aus der Sicht des Sports machen Olympische Spiele sicher Sinn

Vier Jahre später ist die Frage noch immer die gleiche. Bereits eine Ski-WM hat inzwischen eine beachtliche Grösse erreicht. Das zeigt sich in diesen Tagen in St. Moritz. Olympische Spiele sind in Zeiten des Gigantismus, wo sich Russland, China und andere bei jeder Austragung übertreffen wollen, um ein zigfaches grösser. Auch wenn die Schweizer Kandidaturen betonen, dass sie einen Gegentrend zu diesem Immer-grösser-Denken einleiten wollen. Ein riesiges Projekt ist es für die Schweiz trotzdem.

Viele gehen darum davon aus, dass das Stimmvolk in Graubünden erneut Nein sagen wird. Das Thema Olympische Spiele in der Schweiz wäre damit aber nicht vom Tisch. Die Westschweizer Kandidatur wird bestehen bleiben, weil es dort keine Volksabstimmung braucht. Trotzdem würde ein Nein die schweizweite Frage befeuern: Braucht es die Winterspiele? Oder ist ein Anlass in der Grösse der Ski-WM genug? Eine klare Antwort gibt es nicht. Es gibt Argumente für und gegen die Durchführung von Winterspielen in der Schweiz. Selbst Ski-Funktionäre sagen, dass sie ohne Bezug zum Sport nicht wüssten, wie sie sich entscheiden würden.

Aus Sicht des Sports hingegen ist die Antwort klar. Olympische Spiele in der Schweiz würden den heimischen Sportlerinnen und Sportlern guttun. Weil mit der Durchführung der Spiele viele Mittel in die sportliche Infrastruktur in der Schweiz gesteckt würden. Davon profitierten nicht nur die Skifahrer, die bereits jetzt gute Voraussetzungen haben, sondern vor allem all jene Sportlerinnen und Sportler, die viel Zeit und Energie in kleine, eher unbeachtete Sportarten stecken. Für sie wären Spiele ein Segen.

Ebenfalls einfach zu beantworten ist die Frage, ob die Schweiz fähig wäre, Olympische Spiele durchzuführen. Mit Sicherheit! Die Ski-WM in St. Moritz bietet in diesen Tagen erst einen kleinen Vorgeschmack, was alles möglich wäre.