Gastkommentar

Wie reagiert die SRG auf Digitalisierung und Kostendruck?

© Anthony Anex/Keystone

Ein Gastbeitrag von SRG-Generaldirektor Gilles Marchand.

Die digitale Revolution ist ein Hurrikan, der alle Bereiche erfasst. In der Medienwelt verändert er Nutzerverhalten und Geschäftsmodelle. Insbesondere die Nutzung der Medien verändert sich enorm. 2018 entfielen bereits 50 Prozent der Mediennutzung junger Menschen auf das Internet.

Fernsehen bleibt zwar sehr beliebt, wird aber immer seltener live gesehen, ebenso wie das Radio. Und die Leserinnen und Leser wechseln vom Papier zum Bildschirm. Gleichzeitig lösen sich die Grenzen zwischen Audio, Video und Text auf.

Kommt dazu, dass sich die Werbung mit hoher Geschwindigkeit verlagert. In fünf Jahren hat das Internet in der Schweiz 1 Milliarde Franken an Werbeinvestitionen gewonnen, die Presse mehr als 500 Millionen verloren. Auch das Fernsehen ist betroffen. Die TV-Werbeeinnahmen der SRG sind in diesem Jahr um mehr als 25 Millionen Franken gesunken. Dies ergibt ein Risiko von 100 Millionen innerhalb der nächsten vier Jahre. Das ist erheblich, wenn man bedenkt, dass die bislang 400 Millionen Franken kommerzieller Einnahmen rund ein Viertel des Gesamtbudgets der SRG ausmachen. Die Finanzierung des öffentlichen Auftrages der SRG ist ein Thema, zumal die Radio- und Fernsehabgabe von 450 auf 365 Franken pro Haushalt reduziert und gleichzeitig der Anteil der Gebühreneinnahmen für die SRG gedeckelt wurde.

Die SRG reagiert mit einer Doppelstrategie auf die gesellschaftlichen Veränderungen: Einerseits mit der digitalen Entwicklung und mit Reformen zur Kostensenkung. Anderer- seits mit einer hohen Qualität, mit Programmen, die sich vom kommerziellen Angebot unterscheiden, um den der SRG übertragenen Auftrag bestmöglich zu erfüllen. Mit einem im März 2018 gestarteten Reform- und Reinvestitionsplan können bis 2020 100 Millionen Franken eingespart werden und gleichzeitig zusätzliche Mittel für neue Angebote bereitgestellt werden.

Die wichtigsten Kostensenkungsmassnahmen sind die Reorganisation der audiovisuellen Produktions- und IT-Ressourcen, die Einstellung der digitalen terrestrischen Verbreitung, die Reduktion der Verwaltungskosten und des Immobilienportfolios der SRG. Auf Angebotsseite werden neue TV-Serien entwickelt, ein multimediales Studio in Basel in Betrieb genommen, ein Nachrichtenzentrum in Zürich eröffnet, und eine neue, digitale Plattform ermöglicht es der SRG ab 2020, ihre Inhalte thematisch à la carte mit Untertitelung anzubieten.

Wir werden diese Veränderungen mit grösster Sorgfalt angehen, um unsere Teams bestmöglich zu unterstützen und den Auftrag der Öffentlichkeit zu erfüllen. Gleichzeitig wird die digitale Entwicklung weitergehen. Unser Ziel ist es, in fünf Jahren gleich viel klassisches, lineares TV-, Radio- und Digital-Angebot im Programm zu haben wie «on Demand».

Der Kurs muss sein, alle Menschen in diesem Land zu erreichen, niemanden zu vergessen und mit Partnerschaften mit anderen Medien eine konstruktive Rolle im Medienökosystem der Schweiz beizubehalten.
All die zu treffenden Massnahmen werden unserer Daseinsberechtigung untergeordnet: der Gewährleistung der Qualität des Service public, für den sich die Bürger bei der No-Billag-Abstimmung ausgesprochen haben. Dieser Leistungsauftrag umfasst Informationen in den vier Landessprachen, die auf der Grundlage überprüfter Fakten, der Vielfalt von Standpunkten und Meinungen sowie deren Veranschaulichung erfolgen. Dazu gehören auch Investitionen in das kulturelle Schaffen, die Fähigkeit, Menschen bei Grossveranstaltungen zusammenzubringen, und die Verankerung in allen Regionen des Landes.

Das Unternehmen wird seinen Wandel in einer vollkommen neuen Medienlandschaft fortsetzen, dies im Rahmen ihres Mandates und einer Finanzierung, die sicherlich weiterhin Gegenstand von Diskussionen sein wird. Denn Service public geht die ganze Gesellschaft etwas an – mehr denn je.

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