Das Militär ist im letzten Herbst weitgehend aus dem Aarauer Stadtbild verschwunden. Daran ändern auch die gegen hundert Angehörigen der Musik-Rekrutenschule nichts. Es fehlen die über 500 Infanteristen (Durchdiener und Militärpolizei-Grenadiere), die nach Birmensdorf ZH weggezogen sind. Vermisst werden sie in Aarau zum Beispiel in den Restaurants und Bars, wo ihre fröhlichen Runden von vielen als Bereicherung empfunden wurden – nicht nur von den Wirten.

Die Garnison Aarau ist nicht mehr, was sie bis vor kurzem war. Das heisst aber nicht, dass der Waffenplatz unwichtig geworden ist. Im Gegenteil. Was die Anzahl Vollzeitstellen anbetrifft, ist er um etwa die Hälfte gewachsen. Und auch in der armeeinternen Hierarchie scheint Aarau zumindest nicht zurückgestuft worden zu sein: Die Territorialdivision 2 (sie war früher in Kriens LU stationiert) ist mit 6000 Angehörigen ein grosser, wichtiger Verband.

Die Exponenten der Armee haben an den Einweihungsfeierlichkeiten der sanierten Kaserne immer und immer wieder betont, wie gut für sie der Waffenplatz Aarau ist. Ist er unter den veränderten Voraussetzungen auch gut für die Stadt? Diese Frage wird in den nächsten Jahren intensiv zu diskutieren sein. Alle, die von einem Rauswurf des Militärs träumen, müssen sich bewusst sein, dass die Armee weitgehend selber entscheidet, die Stadt bestenfalls politischen Druck machen kann. Und diesen aufzubauen, ist jetzt nicht einfacher geworden: Wer die Armee rauswirft, muss zuerst einen Arbeitgeber mit 90 überdurchschnittlich sicheren Jobs finden.