Drei Jahre Übernahmeschlacht

Wie der Sika-Deal zum Drama für die Gründerfamilie wurde

Es ist eine Schlacht, die in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte einmalig ist. Vor genau drei Jahren gab die Sika-Gründerfamilie bekannt, ihre Familienholding, welche die Stimmenmehrheit am Innerschweizer Bauchemiekonzern kontrolliert, an den französischen Konkurrenten Saint Gobain zu verkaufen. Der Deal wurde hinter dem Rücken des Sika-Verwaltungsrats eingefädelt. Dieser brauchte nicht lange, um sich im Klaren darüber zu werden, dass der Verkauf möglicherweise eine Umgehung der Vinkulierungsbestimmungen darstellt. Der Verwaltungsrat entschied deshalb, diesen Sachverhalt juristisch abklären zu lassen und so lange den Kontrollwechsel und damit den Verkauf der Innerschweizer Industrieperle ins Ausland zu blockieren.

Was heute fast vergessen ist: Damals gab es einen entscheidenden Punkt, der den Deal von einem zunächst freundlichen in einen unfreundlichen Akt kippen liess. Es war die Prämie, welche die Burkard-Familie für den Verkauf der Stimmenmehrheit von Saint Gobain einstecken wollte. Für 16 Prozent Kapitalanteil wurde ein Preis ausgehandelt, der 80 Prozent über dem Marktpreis lag. Selbst die abgezocktesten Banker, die schon manche Exzesse erlebt haben, waren verwundert über die Höhe des Aufpreises. Damit brachten die Burkards die anderen Sika-Aktionäre auf die Palme, die sich benachteiligt fühlten.

Seither beschäftigt die Auseinandersetzung Heerscharen von Juristen. Bleiben die Parteien stur – und es sieht nicht nach einer Einigung aus –, ist ein letztinstanzliches Urteil womöglich nicht vor 2019 zu erwarten.

Für die Gründerfamilie ist der Deal ein Drama. Ihre Reputation ist am Boden, und schlimmer noch: Weil die Aktien von Sika so stark gestiegen sind, ist die Prämie längst weggeschmolzen. Der verbindlich abgemachte Preis liegt heute unter dem Marktpreis der Aktie. Der Buchverlust beträgt inzwischen eine halbe Milliarde Franken.

beat.schmid@schweizamwochenende.ch

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