Wahrscheinlich fühlten sich die Müheler völlig hintergangen, als der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung bestätigte, dass der Besitzer im Gasthof Waldeck eine kantonale Asylunterkunft einrichten will. Zwar machte das Gerücht schon länger die Runde, dass nun aber alles schon fast unter Dach und Fach sein sollte, damit hatte wohl niemand gerechnet. Schnell formierte sich mit der «IG pro Muhen» der Widerstand. An die Mahnwache kamen rund 500 Müheler und zeigten mit Fackeln, dass sie mit den Plänen des Kantons nicht einverstanden sind. Der Widerstand nahm eine Dynamik an, die wohl selbst den Initianten zu viel wurde: Sie löschten bereits nach wenigen Tagen den Facebook-Account.

Der Müheler Gemeinderat nahm ebenfalls eine ablehnende Haltung ein, fungierte aber nicht als Brandbeschleuniger der «IG pro Muhen». Denn dem Gemeinderat war schnell klar, dass seine Möglichkeiten zur Verhinderung der Unterkunft beschränkt sind.

Und jetzt formiert sich Widerstand gegen den Widerstand. Nicht alle Müheler wollen in denselben Topf geschmissen werden. Sie zeigen nun über die Plattform petitio.ch, dass sie anderer Meinung sind. Noch nie ist es im Aargau vorgekommen, dass auf eine Widerstandsbewegung gegen eine Asylunterkunft eine Gegenbewegung folgte – für die Asylsuchenden, für die Menschen. Die Petition fand schon nach vier Tagen über 150 Unterstützer. Damit nimmt die Diskussion um die «Waldeck» eine neue Dimension an – gut für die Sache.

 christine.wullschleger@azmedien.ch