Kommentar

Wer tötet, darf nicht entkommen

Psychiatrische Klinik Königsfelden: Von hier türmte Karl J..

Psychiatrische Klinik Königsfelden: Von hier türmte Karl J..

Karl J. ist aus der geschlossenen Abteilung in Königsfelden geflüchtet. Auch wenn die Klinik kein Gefängnis ist, dürfe das nicht passieren, schreibt Fabian Hägler in seinem Kommentar.

Es sei selten, dass ein Patient aus der geschlossenen Abteilung in Königsfelden entweiche. Das sagte Peter Wermuth, Leiter der Forensischen Psychiatrie im Aargau, vor anderthalb Jahren. Damals war Kris V. ausgebrochen, der verurteilte Mörder hatte bei der Flucht das Sicherheitsnetz durchgeschnitten. Kris V. ist kein Einzelfall: Auf dieselbe Art flohen zwei Männer, die inzwischen gefasst und wegen Sachbeschädigung angeklagt wurden. Und am Mittwoch ist Karl J. die Flucht gelungen.

Trotz doppelten Schleusen, Sicherheitsglas und einem Metallnetz ist es also möglich, aus der geschlossenen Abteilung auszubrechen. Nach der Flucht von Kris V. hiess es aus Königsfelden, mit dem Kanton würden Sofortmassnahmen geprüft, um die Sicherheit zu erhöhen. Der aktuelle Fall lässt zwei Schlüsse zu: Entweder reichen diese Massnahmen nicht, um Ausbrüche zu verhindern, oder sie sind nach über anderthalb Jahren nicht umgesetzt.

Beides wäre bedenklich, denn sowohl bei Kris V. als auch bei Karl J. stellten Gutachter eine beträchtliche Rückfallgefahr fest. Natürlich ist die Psychiatrie in Königsfelden kein Gefängnis, wo Gewaltstraftäter jahrelang eingesperrt werden, sondern primär eine Therapiestation. Doch der Kanton muss dafür sorgen, dass psychisch kranke Täter dort so untergebracht sind, dass sie für die Öffentlichkeit keine Gefahr darstellen. Dass einem verurteilten Mörder die Flucht gelingt, darf nicht passieren. Im Zweifelsfall muss der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität haben.

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