Apropos

Wer pflegt, braucht Pflege

Pflegekräfte können selbst auch einmal zum Pflegefall werden. (Symbolbild)

Pflegekräfte können selbst auch einmal zum Pflegefall werden. (Symbolbild)

Die Frau ist 70 und vor knapp 50 Jahren aus Jugoslawien in die Schweiz migriert. 40 von diesen 50 Jahren hat sie die Bürger ihrer neuen Heimat gepflegt. Erst die durstigen, hungrigen, häufig auch verletzten Seelen in der Beiz. Später die kranken, gebrechlichen, einsamen im Altersheim. Tätigkeiten, die weniger mit Franken als mit Wertschätzung und körperlichen Gebrechen abgegolten werden.

Das Resultat mit 70: Tiefe Rente, kaum Erspartes, dafür ein lädierter Rücken und eine künstliche Hüfte. Die Hüfte wurde eben erst operiert. Darauf folgten vier Tage Reha in Bad Zurzach. Alles wunderbar. Mit dem Ende der Reha wird die Frau ausgespickt wie ein geschmackloser Kaugummi.

Zu Hause wartet nichts und niemand auf sie. Und weil sie sich selbst mit Stöcken nur mühsam bewegt, ist sie stark eingeschränkt. Hilfe könnte sie gut gebrauchen. Zumindest einmal wöchentlich für zwei Stunden, um Staub zu saugen, die Wäsche vom Keller in die Wohnung zu tragen und vielleicht für einen grösseren Einkauf.

Sie fragt ihre Krankenkasse, ob man ihr zwei Stunden Spitex-Pflege pro Woche bezahlt. Nein, antwortet die Krankenkasse. Die Frau ist betrübt, fühlt sich vom Leben verraten. Und ich frage mich: Was ist das für ein System, das jenen Menschen ein Minimum an Pflege verweigert, die selbst Jahrzehnte lang gepflegt haben.

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