Die Liebegg als Zankapfel zwischen Hexentreiben und christlichem Fundamentalismus? Die Frage liegt auf der Zunge – angesichts des Widerstandsbetens gegen das kurz vor der Eröffnung stehende Hexenmuseum. Fassbar wird dabei ein Interessenkonflikt: Das Museum soll die Besucherfrequenz auf der Liebegg erhöhen; freikirchliche Geister beanspruchen diese als «europäisches Gebetsschloss», weil dort vor 200 Jahren eine schwärmerische Busspredigerin für kurze Zeit Aufnahme fand.

Das Hexenmuseum ist ein Zwitter. Es thematisiert die historischen Hexenverfolgungen, gibt aber auch Strömungen Raum, die man als magisch oder esoterisch bezeichnen kann. Das verunsichert christliche Fundamentalisten, weil sie darin eine Art «Gegenreligion» wittern, eine Hingabe ans Böse, wie sie die früheren Hexenverfolger ihren Opfern andichteten. Zwar war der Hexenwahn weit mehr als eine religiöse Verwirrung, aber ohne diese wäre er nicht möglich gewesen. Wenn Christen eine seriöse Aufarbeitung des Themas, wie sie etwa das Museum Humpis-Quartier in Ravensburg 2017 vorbildlich geleistet hat, bekämpfen würden, wäre dies ein Hohn. Aber darum geht es den Liebegg- Betern wohl nicht, sondern um die okkulte Seite der selbst ernannten «modernen» Hexen. Deren Denken mag abstrus erscheinen und Fragen zum Museum wecken, aber ebenso abstrus ist es, die Freiheit der Auseinandersetzung mit diesem Denken knebeln zu wollen.