Doris Leuthard war acht Jahre lang Medienministerin. Die SRG weiss, was sie an ihr hatte, und ist entsprechend nervös, was nun nach ihrem Rücktritt auf sie zukommt. Die privaten Medien wiederum wissen bis heute nicht zu schätzen, was sie an ihr hatten, und hoffen deshalb auf eine Besserung der Verhältnisse.

Von einem SVP-Mann könnten die Privaten am ehesten eine Anti-SRG-Politik erwarten. Und VBS-Chef Guy Parmelin scheint einem Departementswechsel nicht abgeneigt. Doch als Romand wird er sich hüten, die Axt an die SRG zu legen; diese ist in der Westschweiz parteiübergreifend unangefochten. Enttäuschte Erwartungen wären garantiert.

Karin Keller-Sutter, die Kronfavoritin der FDP, ist prima vista auf Linie der Verleger. Immerhin war sie im Verwaltungsrat der NZZ-Gruppe. Doch diesen verliess sie 2016 im Unfrieden und zuvor war sie im Vorstand der SRG-Trägerschaft, den sie nur wegen ihres politischen Amtes aufgab. Die Karten wären also doch nicht so eindeutig verteilt.

Einen Schrecken zu erwarten hätten Private, sollte das bundesrätliche Personalkarussell SP-Justizministerin Simonetta Sommaruga zur Medienministerin küren. Die SRG würde zwar vorweg jubilieren, doch wirklich glücklich war sie schon mit SP-Medienminister Moritz Leuenberger nicht geworden.

Bleibt der Sitz bei der CVP, wird es medial lustig. Vor allem wenn Viola Amherd gewählt wird. Dies weniger weil Amherd explizit Leuthards Positionen stützt, sondern vielmehr, weil sie ebenso Walliserin ist wie der SRG-Präsident und Ex-CVP-Politiker Jean-Michel Cina.

Vielleicht wäre es an der Zeit, Leuthard zu fragen, ob sie das Dossier nicht noch etwas weiterführen will.

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