Aarau

Weihnachtsfreaks für eine bessere Welt

Die Aarauer Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt. (Archiv)

Die Aarauer Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt. (Archiv)

Einwohnerrätin und «We love Aarau»-Bloggerin Silvia Dell'Aquila über Weihnachten, Geschenke und die nachhaltige Wirkung nach dem Verschwinden der Dekoration.

Die traditionelle Beleuchtung mit den leuchtenden Sternen in der Altstadt ist aufgehängt, unsere Aarauer «Lucy» an der Bahnhofstrasse wartet nur darauf, in Betrieb genommen zu werden, die drei grossen Weihnachtstannen auf dem Kirchplatz, am Zollrain und auf dem Aargauerplatz werden mit Lichtern behangen. Ab Freitag wird Aarau weihnächtlich leuchten und die Weihnachtszeit beginnt. Besinnlich soll es sein, eher stressig ist es zugleich und ich bin etwas zwiespältig, was das Fest aller Feste jedes Jahr mit sich bringt.

Ich bewundere die Weihnachtsfreaks, wie ich sie liebevoll nenne, in meinem Umfeld. Für die Liebsten werden Adventskalender gebastelt, das Zuhause wird aufwendig dekoriert, es wird gebacken und fein gekocht, Geschenke liebevoll ausgesucht und eingepackt. Man will den kommerziellen Wahn nicht mitmachen, schnödet sogar darüber (es sind immer die Anderen) und doch ist man mittendrin. Man erinnert sich gerne auch an die Ärmeren, die Einsamen, die an diesen Tagen noch ärmer und einsamer werden. Doch was soll man tun? Beruhigt lesen wir von karitativen Gesten, Organisationen, die diesen Menschen helfen.

Wenn wir Glück haben, gibt’s auch dieses Jahr eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte, wie in den Filmen. Die Welt ist einfach besser an Weihnachten! Ich schaue in ein kitschig geschmücktes Schaufenster an der Rathausgasse. Je mehr ich darüber nachdenke, desto zynischer betrachte ich das Ganze. Oder ist es ganz anders?

Ich schlendere zu einem meiner Lieblingsweihnachtsfreaks an die Kirchgasse. Jedes Jahr gibt es an dieser Adresse eine liebevoll aufgestellte Krippe, Lebkuchenhäuser werden gebacken, Glühwein getrunken, Kerzen angezündet, Weihnachtsgeschichten gelesen. Ein 27-jähriger, der jeden einzelnen Adventstag geniesst. Vielleicht kann er mir das Geheimnis der Weihnachtszeit erklären. «Es ist der letzte Raum in unserer aufgeklärten und rationalisierten Gesellschaft, in der Geheimnisse regieren, Überraschungen und Wunder möglich sind.», meint er – todernst.

Geheimnisse, Überraschungen, Wunder? Haben diese noch Platz in unserer Welt? Kindheitserinnerungen werden wach. In der Weihnachtszeit, da schien die Welt tatsächlich anders, geheimnisvoll, leuchtend und schön. Und als Erwachsene beobachte ich kritisch, aber auch verwundert, wie sich um die Weihnachtszeit alles um mich herum etwas ändert. Lasse ich den kommerziellen Wahn beiseite, sehe ich Menschen, die zu dieser Zeit zusammenkommen, sich mit eigenen Ritualen einen Moment vom Alltag verabschieden, Ruhe suchen und diese vielleicht auch ein wenig finden. Kleine Überraschungen, Beisammensein unter Freunden, Verwandten und Bekannten sowie Besinnliches helfen, unsere Welt zumindest für kurze Zeit etwas friedlicher zu gestalten.

Und mein Wunsch ist es, dass auch nachdem die letzte Weihnachtsdeko wieder in den Keller wandert, die Menschen versuchen, die Welt etwas friedlicher zu machen, netter zu ihren Mitmenschen zu sein und die, welche weniger Glück haben, nicht zu vergessen. In diesem Sinne wünsche ich allen Aarauerinnen und Aarauer eine schöne, aber auch nachhaltige Weihnachtszeit.

Silvia Dell’Aquila betreibt die Plattform «We love Aarau». Die Soziologin ist Regionalleiterin VPOD. Sie ist Einwohnerrrätin.

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