Korpskommandant Daniel Baumgartner will den Militärdienst attraktiver gestalten. Auch den Frauenanteil will er deutlich erhöhen. Da kommt ihm zupass, dass er mit der Stellenausschreibung eines Genfer Rohstoffhändlers einen Fall gefunden hat, der so offensichtlich diskriminierend ist, dass der ranghohe Militär zum Mittel des offenen Briefs greift, um die Formulierung im Inserat zu verurteilen. Korpskommandant Baumgartner kann dann darin auch vom Militärdienst als höchstem «Solidaritätsbeitrag» schwärmen, den man für eine Gesellschaft leisten kann.

Trotz allem ist es für Wehrpflichtige in einem stressigeren Arbeitsalltag immer schwieriger geworden, den normalen Dienst noch zu leisten. Geschweige denn eine Karriere im Militär anzupeilen. Insbesondere die ausländischen Arbeitgeber in der Schweiz hatten noch nie grosses Verständnis für die «grünen Ferien». Diskriminierungen, wenn auch nicht so plump, sind hier an der Tagesordnung.

Ob solche Appelle an die Arbeitgeber oder die Generation Y mit ihrer Vorstellung von Arbeitsmoral und Karriereplanung stärker vom Militär überzeugen, bleibt offen. Sicher aber ist: An der Wehrpflicht und am Milizsystem darf nicht gerüttelt werden. Sie sind nicht nur in der Verfassung verankert, sondern gehören zu unserem Verständnis von Solidarität und Gemeinsinn. Die Tatsache, dass der Büezer und der Bankdirektor – vielleicht dereinst auch die Büezerin und die Bankdirektorin – gemeinsam Dienst tun, stärkt den sozialen Kitt. Die Alternative, eine Berufsarmee, macht keinen Sinn.

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