Man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um zu verstehen, dass es in der Europäischen Union mit ihrer Gemeinschaftswährung Spannungen gibt, wenn strukturschwache Regionen wie Süditalien mit dem hochkompetitiven Deutschland konkurrieren. Es ist klar, wer hier den Kürzeren zieht.

Wenn Donald Trump sagt, dass Deutschland mit dem Euro die D-Mark exportiert und damit seinen Wettbewerbsvorteil zementiert hat, dann hat das etwas Wahres. Aber das weiss man auch ohne Trump schon längst, auch wenn man es gerne totschweigt. Denn der Euro ist mehr als eine Gemeinschaftswährung – er ist ein politisches Projekt.

Die Maastricht-Architekten wagten 1992 den institutionellen Vorgriff: Sie betrachteten den Euro als eine Lokomotive, die die politische Einigung antreiben wird. Der Ansatz hingegen, dass die Gemeinschaftswährung am Schluss der politischen Einigung oben draufgesetzt wird, wurde verworfen. Dieses Vorgehen ist symptomatisch für die europäische Politik. Sie wird oft von Oberen verordnet, statt dass sie sich von unten entwickeln könnte.

Heute leidet Europa daran, dass die Währungsunion weder Fisch noch Vogel ist. Damit sie funktioniert, müsste eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik betrieben werden, die diesen Namen verdient. Stattdessen wird die Verantwortung zwischen Brüssel und den Hauptstädten hin- und hergeschoben oder Deutschland drückt seinen Willen durch. Gut möglich, dass sich die Situation bald so entwickelt, dass es wegen der enormen Schuldenberge und gegenseitiger Abhängigkeiten keine Alternative zu einer Fiskalunion mehr gibt. Das wäre nicht nur unschön, sondern auch sehr undemokratisch.