Behindertentauglich

Weckruf kommt zur richtigen Zeit

Paradebeispiel für Behindertengerechtigkeit Die Haltestelle Elro in Bremgarten, umgesetzt im Zusammenhang mit einem Kreiselprojekt.

Paradebeispiel für Behindertengerechtigkeit Die Haltestelle Elro in Bremgarten, umgesetzt im Zusammenhang mit einem Kreiselprojekt.

Von 1400 Bushaltekanten an Kantonsstrassen sind erst 50 behindertentauglich umgebaut.

Betreiber der öffentlichen Verkehrsmittel haben die Pflicht, ihre Haltestellen behindertentauglich auszurüsten. Dies besagt das schweizerische Behindertengleichstellungsgesetz. Das gilt auch für Bushaltestellen. Diese sollen bis 2023 umgerüstet sein. Doch davon sind die Kantone und Gemeinden noch sehr weit entfernt. So kommt ein Aufruf von Behindertengruppierungen, die zu viel kassierten Millionen, die die Postauto Schweiz AG zurückzahlen muss, für behindertengerechte Haltestellen zu verwenden, genau zur richtigen Zeit.

Ob dieses Geld tatsächlich so eingesetzt werden soll, oder ob man es besser in die Staatskasse zurückfliessen lässt, darüber kann man in guten Treuen streiten. Im Aargau dürften die Stimmen, die den Kantonsanteil dem Kanton zurückgeben wollen, besonders stark sein. Denn trotz vorübergehendem Hoch klafft mittelfristig immer noch ein grosses Loch in der Staatskasse.

Doch da die Strassenkasse – im Gegensatz zur Staatskasse – gut gefüllt ist, stellt sich die Frage, ob man bis 2023 nicht mehr Haltekanten umrüsten kann als geplant. Da kommen unweigerlich auch die sehr unterschiedlichen Umsetzungs- und Kostenvorstellungen ins Spiel. Viele Behinderte erwarten nämlich nicht perfekte, sondern einfach zweckdienliche Haltestellen. Auch wenn es natürlich Sinn macht, eine Haltestelle bei dieser Gelegenheit generell auf einen guten Stand zu bringen, etwa mit einer Überdachung, ruft dies nach einer vertieften Diskussion. Wenn es nämlich gelänge, die Kosten pro Haltestelle zu senken, läge mehr drin. Das käme allen zugut.

mathias.kueng@chmedia.ch

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