Crowdfunding

Was Würde hat, hat keinen Preis

Bettina Rimensberger leidet an einer seltenen

Bettina Rimensberger leidet an einer seltenen

Bettina Rimensbergers Aktion bricht alle Rekorde der Plattform GoFundMe im deutschsprachigen Raum. In 14 Tagen hat sie bereits 331'881 Franken gesammelt.

Spinraza heisst die neue Hoffnung für die rund 100 Menschen in der Schweiz, die an spinaler Muskelatrophie (SMA) leiden. Das Medikament ist seit 2017 zugelassen und kann den oft tödlichen Verlauf der Krankheit stoppen.

Doch das Wundermittel hat seinen Preis: Die erste Jahresdosis kostet 600'000 Franken, ab dem zweiten Jahr sind es noch 300'000 Franken. Ein Betrag, den die Krankenkassen nicht zahlen wollen und momentan auch nicht zahlen müssen.

Die Causa Spinraza führt zur Frage, wie viel die Behandlung eines kranken Menschen kosten darf. Was ist uns ein Leben wert? Wo liegt die Grenze? Das Bundesamt für Raumentwicklung hat sich kürzlich gefragt, wie viel Geld ausgegeben werden soll, um einen Todesfall im Strassenverkehr zu verhindern. Die Antwort: 6,5 Millionen Franken. So viel ist dem Bund ein menschliches Leben also wert.

Mit 6,5 Millionen Franken könnte sich die SMA-Patientin Bettina Rimensberger 20 Jahre lang mit Spinraza behandeln lassen. Mit dem Geld könnte man aber auch ein Hilfswerk betreiben, das andernorts zahlreiche Menschenleben retten würde. Was also ist zu tun? Die Suche nach einer Antwort führt auf ethisches Glatteis – und zum Philosophen Immanuel Kant.

Kant schrieb einst: «Alles hat entweder einen Preis oder eine Würde.» Letzteres trifft auf das menschliche Leben zu. Preisdebatten sind damit überflüssig. Dass unsere Gesellschaft viel für die Behandlung von Schwerkranken zahlen will und auch kann, das zeigt die Online-Kampagne «Bettina will leben».

samuel.schumacher@chmedia.ch

Meistgesehen

Artboard 1