Als neuster Tiefpunkt hat die FDP Schweiz Pierre Maudet am Mittwoch das Vertrauen entzogen. Zuvor hatte ihn bereits das Genfer Parteipräsidium zum Rücktritt aufgefordert. Doch der einstige Politstar sieht noch ein letztes Schlupfloch. Für Januar trommelt er die Genfer FDP-Delegierten zusammen. Der Clou: Diese sollen nicht über seinen Rücktritt befinden, sondern sich lediglich über die aktuelle Situation austauschen. Das Ziel ist offensichtlich: Zeit gewinnen und Gras darüber wachsen lassen – und weiter regieren.

Doch Maudet kann nicht weiterregieren. Er hat sämtlichen Kredit verspielt. Der Genfer Staatsrat lässt sich und seine Familie von einem Kronprinzen auf eine Luxusreise nach Abu Dhabi einladen und versucht, dies mit einem Lügenkonstrukt zu verschleiern. Er lässt seinen Mandatsbeitrag von jährlich 10'000 Franken von unbekannten Mäzenen sponsern. Er lässt eine ausschweifende Geburtstagsparty auf Kosten einer Genfer Hotelkette steigen. Er führt dubiose Kampagnenkässeli. Und das Schlimmste dabei: Er zeigt null Einsicht, dass er etwas Falsches gemacht hat.

Wer unter solchen Umständen weiterregieren will, schadet nicht nur sich selbst und seiner Partei, er schadet auch der Demokratie. Politiker, die sich verzweifelt an Ämter klammern; sich mit mächtigen Geschäftsleuten umgarnen; die skrupellos Lügen auftischen – solche Politiker zerstören das politische Vertrauen, auf dem dieses Land gebaut ist. Für solche Politiker hat es keinen Platz in der Schweiz.

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